Jun 092013
 

und eine breite Öffentlichkeit sensibilisieren, dafür setzt sich das Webprojekt “Leidmedien.de” des Berliner Vereins “Sozialhelden e.V.” ein. Es zeigt (nicht nur) Journalisten anhand von Positiv- und Negativbeispielen und Gastbeiträgen, wie über behinderte Menschen in angemessenerer Form berichtet werden kann und sollte. Für Redakteur Andi Weiland ist es längst an der Zeit, nach den richtigen Formulierungen zu suchen…

 

Andi Weiland von leidmedien.de in der Diskussion Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Andi Weiland von leidmedien.de in der Diskussion Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Was war der Anlass für die Konzeption Ihres Angebots?
Die Idee kam über einige Umwege zustande. Wegen meiner Arbeit für die Sozialhelden hatte ich früher schon Projekte in der Weiterbildung von Journalisten gemacht. Konkreter Auslöser war, beziehungsweise den Anfang machte ein anderes Projekt namens “Wheel Map”. Anhand einer Online-Karte wurden rollstuhlgerechte Orte für behinderte Menschen angezeigt. Das war die erste Seite zu diesem Thema überhaupt, vorher gab es keine Hilfen in diesem Sinne. In diesem Zusammenhang ist uns die Art der Berichterstattung über Menschen mit Behinderung ins Auge gestochen und wir haben geschaut, welche wissenschaftlichen Arbeiten bereits zu ihrer medialen Darstellung existieren. Dabei sind uns zwei gängige Schemata aufgefallen: Häufig werden Behinderte entweder als Helden – so etwa bei den Paralympics – oder als Opfer – wobei hier das Leid und unglückliche Schicksal im Vordergrund stehen – dargestellt und es steckt meist eine Wertung mit drin. In der Berichterstattung kursieren daher sehr oft Floskeln und Stereotype wie “an den Rollstuhl gefesselt sein“, “an Muskelschwund leidend“, “tapfer das Schicksal meisternd” usw. Zu diesem Thema herrschte verbreitet Unwissenheit, es gab keine Hilfe für Journalisten. Diese Lücke wollten wir schließen und schickten bei unseren Angeboten Tipps mit, wie man neutral und adäquat formuliert, was dankbar aufgenommen wurde. Gestartet ist leidmedien.de letztlich im Sommer 2011 und dann im August 2012, drei Monate vor den Paralympics in London, online gegangen.

Was und welche Zielgruppen wollen Sie mit Ihrem Angebot erreichen?
Unsere Hauptadressaten sind Journalisten und Journalistinnen, denen leidmedien.de als Hilfe- und Aufklärungsmöglichkeit dienen soll. Auch alle an medialen Themen Interessierte sowie behinderte Menschen selbst, die die Entwicklungen mitverfolgen wollen, sind herzlich eingeladen.

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Nominierung erfuhren?
Die Nachricht erreichte uns bei der Arbeit im Büro. Für mich, Ideengeber Raul Krauthausen und Co-Redakteurin Lilian Masuhr, die wir selbst aus dem online-journalistischen Bereich kommen, bedeutet die Nominierung zum Grimme Online Award 2013 eine große Ehre. Die Tatsache, es aus fast 1600 Vorschlägen unter die 28 Nominierten geschafft zu haben, war verblüffend und erfüllt uns mit Stolz.

Was bedeutet die Nominierung für die zukünftige Entwicklung Ihres Angebots ?
Wir erhoffen uns infolge der Nominierung ein gesteigertes Interesse an dieser verhältnismäßig eher unter die Rubrik “Nischenthema” fallenden Problematik. In Zukunft planen wir, interessierten Redaktionen Workshops und anderweitige Trainingsmöglichkeiten anzubieten. Menschen mit Behinderung sollen in der Bericht-erstattung mehr in den Fokus rücken und zwar, indem man eben auch positive Aspekte heraushebt und von der Leidmetapher absieht. Wir engagieren uns daher intensiv nebenher auf Veranstaltungen, wie jüngst der republica, auf der wir eine Diskussionsrunde zur medialen Unterrepräsentierung behinderter Menschen gestartet haben. Dort haben wir auch unsere Kooperation mit der Aktion Mensch vorgestellt, über die wir redaktionelle Unterstützung in Form von Lilian Masuhr erhalten haben. Schlussendlich wollen wir mit Journalisten und der Öffentlichkeit in einen konstruktiven Dialog treten. So soll die aktuelle Diskussion auch auf Kanälen wie den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter fortgeführt werden, die dort bereits in vollem Gange ist.

Weg von negativ besetzten Floskeln hin zu mehr Sensibilität im Umgang mit dieser Thematik – das wünscht sich Andi Weiland:

 

Weitere Statements der anderen Nominierten finden Sie hier.

  One Response to “Die richtigen Worte finden”

  1. [...] und eine breite Öffentlichkeit sensibilisieren, dafür setzt sich das Webprojekt “Leidmedien.de” des Berliner Vereins “Sozialhelden e.V.” ein.  [...]

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