Mrz 202015
 
Auszug aus der Datenbank der eingegangenen Vorschläge.

Auszug aus der Datenbank der eingegangenen Vorschläge.

Seit einigen Jahren stellen wir die Liste aller zum Grimme Online Award eingegangenen Vorschläge auf der Wettbewerbs-Website zur Verfügung. Sie bietet jedem Interessierten die Möglichkeit, mal auf Websites zu surfen, auf die man sonst nicht kommen würde, wenn man sich immer in vertrauten Netz-Bahnen bewegt. Außerdem soll man nachvollziehen können, womit sich die Nominierten messen mussten. Messen können sie sich natürlich nur mit Vorschlägen, die der Grimme Online Award überhaupt betrachtet: deutschsprachige publizistische Websites, keine Selbstdarstellungen, keine Shops, keine reinen Service-Angebote.

So eine Liste zieht aber offenbar auch diejenigen an, die gerne mal auf so einer Liste verlinkt sein möchten. Gemeint sind hier insbesondere Betreiber von Affiliate-Seiten, die seriöse Links immer gebrauchen können. Um das zu verhindern, aber auch, um die Liste besser nutzbar zu machen, haben wir sie in diesem Jahr erstmals vorsortiert: Alles was laut Statut nicht zulässig ist, kommt nicht mehr auf die Liste, so der Plan. Bei genauerer Betrachtung müssen wir einräumen: Naja, nicht ganz. Wie immer ist es kompliziert.

Keine Regel ohne Ausnahme

Drauf lassen wir Angebote, deren einziger Ausschlussgrund ist, dass sie schon mal nominiert waren oder bereits einen Grimme Online Award bekommen haben. Und Angebote, für die Mitglieder unserer Nominierungskommission und Jury verantwortlich sind. Im Wettbewerb sind sie (weitestgehend) ausgeschlossen, aber natürlich sind ehemalige Nominierte und Preisträger immer auch ein Maßstab für das diesjährige Kontingent.

Runter nehmen wir aber Websites, die nicht auf Deutsch sind, Selbstdarstellungen, Shops und überhaupt alles, was nicht publizistisch ist. Für Apps bedeutet das: Raus fallen die, die nicht mindestens für zwei Betriebssysteme sind.

Schwierige Entscheidung

Letzteres ist am einfachsten zu beurteilen. Entweder es steht auf der Info-Seite zur App oder eine Suche zeigt an, für welche Betriebssysteme eine App verfügbar ist. Schwieriger ist so manches Mal schon, zu beurteilen, ob ein Angebot wirklich deutschsprachig ist. Denn hier geht es um die Sprache der Hauptinhalte. Wenn also die strukturellen Inhalte auf Deutsch sind, die eigentlichen Inhalte aber auf Englisch, ist es ausgeschlossen. Das gilt auch dann, wenn die thematischen Hauptinhalte in einer Fremdsprache sind oder publizistische Inhalte in einer Fremdsprache, ein zugehöriges Service-Angebot aber auf Deutsch. Das ist schon kompliziert genug, kommt aber glücklicherweise nicht so oft vor.

Häufiger haben wir den Fall der Selbstdarstellung oder von Shops. Da gibt es die eindeutigen Fälle von reinen Firmenauftritten oder dem Shopping-Riesen mit dem A, aber meistens ist es eben nicht so eindeutig: Der bloggende Bewerbungsberater, das Modeblog mit angeschlossenem Shop, die Kunst-Presseschau auf den Seiten einer Firma. Was steht hier im Vordergrund? Die Selbstdarstellung, der Shop oder die publizistischen Inhalte? Dabei entscheidet dann tatsächlich der erste Eindruck: Was springt als erstes ins Auge? Wie ist das Mengenverhältnis? Oder auch: Was war zuerst, die publizistischen Inhalte oder die Möglichkeit, Geld zu verdienen? Immer können wir das natürlich nicht sagen. Oder besser: nicht belegen. Besonders schwierig ist es bei Affiliate-Websites. Wir wissen ganz genau, dass bestimmte Seiten nur existieren, um die Links unterzubringen – und die Leute wollen nur bei uns auf die Liste, um ein besseres Ranking zu bekommen. Aber beweisen können wir das natürlich nicht. Affiliate-Links hingegen komplett auszuschließen, wäre auch völlig unsinnig, denn ein Amazon-Link hat noch keinem Blog geschadet.

Die P-Frage

Die Nominierungskommission 2015

Die Nominierungskommission 2015

Das war schon mal hinreichend herausfordernd. Es gibt aber noch eine Steigerung: Ist eine Website, eine App publizistisch oder nicht? Über diese Frage hat sich die Nominierungskommission schon die Köpfe heiß geredet. Das ganz spontan zu entscheiden, ist schwer. Klar ist: Reine Service-Inhalte sind ausgeschlossen. Die App, die den nächsten offenen Kiosk anzeigt, die Website, auf der Spielplätze bewertet werden – nicht publizistisch. Das Finanzblog, das über Anlagemöglichkeiten informiert? Publizistisch oder Service? Das Wörterbuch für leichte Sprache? Puh, schon schwieriger. Die Fälle, in denen wir uns nicht ganz sicher sind, geben wir besser auf die Liste. Manchmal müssen wir auch Angebote streichen, die wir lieber drauf hätten: Die Wohnungsvermittlung für Flüchtlinge finden wir zum Beispiel inhaltlich toll, aber das ist definitiv ein reiner Service. Und bei der großartigen Wheelmap, die rollstuhlgerechte Orte anzeigt, hat die Nominierungskommission mal lange diskutiert, ob sie nicht irgendwie publizistisch zu drehen ist. War sie nicht. Also nicht auf die Liste, obwohl wir sie sehr mögen.

Die Abgrenzung

Daran kann man schon sehen, dass eine Abgrenzung gerade im Bereich der Publizistik schwer ist. Auch lange, selbst geschriebene Texte können ausschließlich Service-Inhalte transportieren. Und Bilder können publizistisch sein. Manchmal zählt auch, dass ein Service im Bereich der Publizistik erbracht wird. Da ist auch uns klar, dass es von außen nicht immer erkennbar ist, warum ein Angebot auf die Liste darf und ein anderes nicht. Um ehrlich zu sein: Ganz exakt können wir das auch nicht immer im Vorherein formulieren. Aber wir bemühen uns, bei vergleichbaren Angeboten auch gleich zu handeln. Uns aber deshalb zu mailen, dass dieses Vorgehen die “Akzeptanz des Awards in der Internet-Wirtschaft” senke oder “ratlos und sprachlos” macht, erscheint uns doch etwas übertrieben. Es ist nur eine Liste. Im Wettbewerbsverlauf spielt sie keinerlei Rolle. Die Nominierungskommission arbeitet ohnehin mit der vollständigen Liste aus der Datenbank – und befindet unter Umständen über alle Zweifelsfälle noch mal neu.

Will meinen: Wir geben uns ehrlich Mühe und wollen niemanden ärgern damit – im Gegenteil, wir machen uns noch mehr Arbeit. Auch damit, dass wir den einzelnen Anbietern erklären, warum sie nicht auf der Liste gelandet sind. Und für viele der Vorschlagenden tut es uns natürlich leid, dass wir ihre Vorschläge gleich ablehnen (müssen), denn die meisten denken sich ja was bei ihrem Vorschlag. So war zum Beispiel in diesem Jahr die Nutzer-Begründung für edeka.de sehr stichhaltig: Hier soll es gute Informationen auch über ungewöhnliche Lebensmittel geben. Auch die Begründung für ein Buch mit Twitter-Inhalten war super, ging sogar genau auf diesen Punkt ein, aber leider handelt es sich immer noch um ein Buch.

Sympathie kein Kriterium

Bei denjenigen hingegen, die nur irgendetwas vorschlagen, um an der Verlosung teilzunehmen (mit Vorliebe die Gewinnspiele-Website, von der sie gerade kommen), oder die ihre eigene Affiliate-Website vorschlagen, um im Google-Ranking höher zu kommen, ist es eigentlich nur gerechtfertigt, dass sie nicht auf der Liste landen. Nur kann die Intention des Vorschlagenden für uns kein Kriterium sein, genauso wenig wie die Sympathie für ein Angebot. Ein bisschen objektiver sollte es dann schon sein, auch wenn absolute Objektivität nicht herstellbar ist. Hier beurteilen Menschen – und das hat sein Gutes.

Was meint ihr – ist euch überhaupt aufgefallen, dass wir was an der Liste geändert haben? Wie können wir das Vorgehen verbessern? Sollen wir lieber wieder alle Vorschläge einstellen, auch wenn es dann etwa 300 mehr wären, die aber in Bezug auf den Wettbewerb keinen Mehrwert bieten? Oder sollen wir es ganz bleiben lassen mit der Liste? Wir freuen uns über Rückmeldungen!

  4 Responses to “Die Liste. Ein Versuch.”

  1. Liebes Grimme-Online-Award Team,
    ich finde die Liste super so, wie sie ist. Vor allem, weil ich nur so erfahren habe, dass jemand mein Blog vorgeschlagen hat (ich rätsele immer noch, wer das sein könnte).
    Aus meiner Sicht kann die Liste genau so bleiben, denn auf diese Weise gibt es schon einen Filter. Und man kann sich natürlich freuen, dass man zu denen gehört, die einen Mehrwert für den Wettbewerb darstellen, richtig? Aber gut, dass ihr fragt. Transparenz ist bei so einem Verfahren wichtig.
    Ich wünsche der Auswahl-Kommission viel Spaß und bin natürlich ein kleines bisschen aufgeregt, ob ich weiterkomme.
    Ganz herzliche Grüße aus dem Rheinland
    Anke von Heyl aka Kulturtussi

  2. Ich klatsche leise Beifall. Die Liste vom letzten Jahr war so gruselig (und vor allem sehr peinlich, wer sich da alles selbst “geladen” hatte), da musste sich dringend etwas ändern. Also bitte: Auf keinen Fall wieder die Liste komplett veröffentlichen, auch wenn das Aussortieren sicher sehr, sehr viel Arbeit macht.
    Jetzt macht es wenigstens wieder Spaß, durch die Angebote zu stöbern.
    VG
    Inka

  3. Hallo, sehr geehrtes Grimme – Team,
    meine Seite ist teilweise in Deutsch und Englisch.
    Es ist keine Werbung enthalten, weil es eine Non – Profit Webseite ist für Menschen die sich für die Suche nach Beweisen für außerirdische Intelligenz interessieren.

  4. Passt so.

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