Mai 192016
 
Thumbnail der 37. BrainFed Folge. Foto: MESH Collective

Thumbnail der 37. BrainFed Folge. Foto: MESH Collective

BrainFed ist ein Nachrichtenformat, das alle zwei Wochen auf Youtube erscheint. In jeweils dreiminütigen Videos klärt Marik Roeder alias DarkViktory den Zuschauer, mithilfe von humorvollen Animationen, über aktuelle Themen und ihre Hintergründe auf. BrainFed wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung in Auftrag gegeben. Es ist eins von zwei Nachrichtenmagazinen die von MESH Collective produziert werden. Das Format soll insbesondere Jugendlichen Nachrichten näher bringen und sie durch eine interessante Präsentation, und die Möglichkeit zur Interaktion, gezielt ansprechen. Die Zuschauer können sich Themen wünschen und bei besonders großer Resonanz erscheint eine “BrainFed-Nachschlag”-Folge, welche diese Themen genauer beleuchtet. BrainFed ist in der Kategorie Wissen und Bildung für einen Grimme Online Award nominiert. MESH-Chefredakteurin Franziska von Kempis erklärt im Interview die Hintergründe der Themen und die Produktion der Videos.

Wie ist BrainFed entstanden?

Die Bundeszentrale kam auf MESH Collective – damals noch “Du hast die Macht” – mit dem Wunsch zu, News auf YouTube zu machen. Wir haben dann sehr viel hin und her überlegt: “Wie macht man eigentlich Nachrichten auf YouTube? Welche User fühlen sich von Nachrichten in diesem Medium angesprochen? Und welche YouTuber wollen sowas überhaupt machen?”

Marik Roeder alias DarkViktory. Screenshot: Grimme-Institut

Marik Roeder alias DarkViktory. Screenshot: Grimme-Institut

Im Endeffekt haben wir beschlossen, in zwei Richtungen zu gehen und zwei Formate zu lancieren: eins mit einem YouTuber vor der Kamera und eins in Animationsform. Unseren “YouTuber vor der Kamera”, Tense vom Kanal “TenseMakesSense”, kannten wir bereits aus einem UFA Lab-Projekt – und  auch mit DarkViktory hatten wir bereits zusammengearbeitet. Beide hatten sofort Lust auf die Projekte und mit DarkViktory ist schlussendlich BrainFed draus entstanden. Es wird in jeder Folge kurz und knapp eine Rahmengeschichte erzählt: Es gibt einen Zombie, der in ein Haus eindringt und den Bewohner auf der Couch bedroht und sozusagen durch die Informationen, die er bekommt, gefüttert und besänftigt wird.

Wieso ausgerechnet das animierte Format? Warum dieser Comic-Stil?

Wir wollten mit DarkViktory arbeiten und da er ein Animationskünstler ist, stellte sich die Frage nach der Animation nicht, sondern nur: “Wollen wir mit diesem YouTuber, der diesen wahnsinnig, unverwechselbaren, genialen Stil hat, ein cooles Format machen?”

Welche Stadien durchläuft eine gewöhnliche BrainFed-Folge?

Das Team (v.l.n.r.): Nikolas Kappe, Julia Althoff, Nico Bekasinski, Franziska von Kempis, Maximilian Peiser, Franziska Becher; Foto: MESH Collective

Das Team (v.l.n.r.): Nikolas Kappe, Julia Althoff, Nico Bekasinski, Franziska von Kempis, Maximilian Peiser, Franziska Becher; Foto: MESH Collective

Es beginnt mit der Themenrecherche. An manchen Themen recherchieren wir durchgängig, andere Themen schlägt DarkViktory selber vor – grundsätzlich überlege ich, was passend sein könnte und stelle eine Themenauswahl zusammen. Marik liest sich die Themenauswahl durch und ergänzt Themen, die er spannend findet. Dann wird mit den Themen für die wir uns entschieden haben ein “Recherchepapier” erarbeitet. Dieses Recherchepapier bekommt die Bundeszentrale zur Abnahme vorgelegt. Anfangs gab es für das Format auch eine Videoabnahme, aber inzwischen sind die Arbeitsabläufe so eingespielt, dass der Auftraggeber davon absieht. Deswegen machen wir vorab eine Themenabnahme. Dann geht das Recherchepapier an DarkViktory und er schreibt daraus das Skript. Wir besprechen das Skript gemeinsam und überlegen, was man in Bezug auf die Bildebene noch mit reinnehmen könnte. Dann setzt er sich an die Produktion. Schließlich bekomme ich das fertige Video zur Abnahme, danach geht es auf dem Kanal DarkViktory online.  Der ganze Prozess klingt sehr lang, ist aber eigentlich sehr effizient.

Nach welchen Kriterien werden die Nachrichten ausgewählt?

Die Kriterien setzen bereits bei der Themenwahl mit drei Aspekten an. Die Themen müssen relevant sein für die jugendliche Zielgruppe – eben aus der Lebensrealität junger Erwachsener stammen. Die Themen müssen DarkViktory begeistern. Denn, wenn man sich nicht selbst für ein Thema begeistern kann, bringt man es auch nicht begeistert rüber. Und als drittes wird natürlich auf die Aktualität geachtet. Es muss nicht immer das neuste Thema sein, aber es muss Relevanz haben, im Sinne von gesellschaftlicher und politischer Einbettung.

Franziska von Kempis bei der Nominierung für den Grimme Online Award 2016. Foto: Grimme-Institut / Rainer Keuenhof

Franziska von Kempis bei der Nominierung für den Grimme Online Award 2016. Foto: Grimme-Institut / Rainer Keuenhof

Wie sieht für Sie die Zukunft dieser “unkonventionellen” Nachrichtenformate aus?

In Bildungsformaten im Netz sehe ich generell viel Potenzial – sei es auf YouTube, Facebook, Snapchat oder einer anderen sozialen Plattform. Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Leute den Sprung ins kalte Wasser wagen und solche Projekte fördern und unterstützen möchten. Im Fall  von BrainFed hat sich ein Auftraggeber wie die Bundeszentrale einfach getraut, so etwas zu machen und das Projekt läuft jetzt bereits im dritten Jahr. BrainFed zeigt sehr schön, dass Bildung eben auch auf diese Art funktioniert.

Was bedeutet die Nominierung Grimme Online Award 2016 für Sie? Ist sie ein Zeichen dafür, dass solche Formate verstärkt gesehen und wahrgenommen werden?

Ja, ein uneingeschränktes Ja. Wir freuen uns wahnsinnig über die Nominierung, einfach weil es eine tolle Anerkennung für ein Format ist, an dem wir seit drei Jahren wirklich intensiv arbeiten. Der YouTuber hängt sich richtig rein und macht ganz viel zusätzlich, was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist. Das ist so ein wunderschönes Intensivpaket, dass ich mich sehr freue – insbesondere für DarkViktory.

Autor: Richard Müller

Die Interviews mit den Nominierten und die Videos sind im Rahmen eines Medienpraxis-Seminars an der Universität zu Köln entstanden.

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