Mai 162017
 
Producer Georg Tschurtschenthaler, Autorin Hannah Kappes, Producerin Tanja Schmoller, Medienpädagogin Birgit Marzinka(Agentur für Bildung e.V.), Youtuber Jakob Gentsch. Foto: #uploading_holocaust

Producer Georg Tschurtschenthaler, Autorin Hannah Kappes, Producerin Tanja Schmoller, Medienpädagogin Birgit Marzinka(Agentur für Bildung e.V.), Youtuber Jakob Gentsch. Foto: #uploading_holocaust

Das Online-Projekt “#uploading_holocaust” ist ein Stück digitale Erinnerungskultur, das auf Youtube-Videos junger Israelis basiert. Entstanden sind diese in polnischen Konzentrationslagern; die Orte der Vernichtung. Im Mittelpunkt steht die Frage: “Wie geht Erinnern heute?” Interaktionsmöglichkeiten für deutsche Jugendliche ermöglichen die Auseinandersetzung mit den bundesdeutschen Verhältnissen und Stimmungslagen – von Jugendlichen für Jugendliche, also auf Augenhöhe.

Das Projekt “#uploading_holocaust” ist in der Kategorie “Wissen und Bildung” für den Grimme Online Award 2017 nominiert. Die Autorin des Projekts, Hannah Kappes, die als Redakteurin und Junior Producerin bei gebrueder beetz filmproduktion arbeitet, spricht im Interview über die Motivation, das Projekt ins Leben zu rufen, und die damit verbundenen Ziele sowie über die bisherige Resonanz der Rezipienten.

Was war die Motivation das Projekt zu realisieren?

Die Grundidee stammt von israelischen Regisseuren, auf welche eine Kollegin auf einem internationalen Festival aufmerksam geworden ist. Diese stellten ihr den Dokumentarfilm  “uploading_holocaust” vor. Dieser bestand bereits aus 100% YouTube-Material, in dem die  israelischen Schüler mit einer Art Tagebuch ihre Erfahrungen von einem Schülerausflug nach Polen in ein Konzentrationslager festgehalten hatten.
Wir wollten dieses Material aufbereiten, um es für deutsche Jugendliche zugänglich zu machen. Dafür fungierte der deutsche YouTuber Jacob Gensch als Vermittler zwischen den israelischen und deutschen Jugendlichen. Zudem haben wir für die Entwicklung der interaktiven Umfrage insbesondere mit der Agentur für Bildung in Berlin zusammengearbeitet.

Was sind die Ziele von #uploading_holocaust?

Ziele des Projektes sind die Konfrontation mit dem und die Information über den Holocaust. Dabei ist uns wichtig, dass die Erfahrungen von Jugendlichen an Jugendliche auf Augenhöhe vermittelt werden. Die Umfrage ist nicht als empirische Studie, sondern als Bildungstool und Diskussionsgrundlage geeignet. Deshalb wird sie unter anderem an Schulen zur Aufklärung über den Holocaust verwendet. Wir wollen auch sehen, ob das Thema bei der mittlerweile vierten Generation noch auf Interesse trifft und wie die Schüler mit diesem Thema umgehen und darüber Denken. Unser Wunsch ist es, dass das Projekt dieses ernste Thema auf einer anderen Ebene anspricht und für mehr Verständnis sorgt.

Die Kampagne #darfmandas des Bildungstools "Uploading_holocaust. Foto: gebrueder beetz filmproduktion

Die Kampagne #darfmandas des Bildungstools “Uploading_holocaust. Foto: gebrueder beetz filmproduktion

Wie machen Sie auf das Projekt aufmerksam?

Zu Beginn des Projekts haben wir Kampagnen in Fernehen und Radio geschaltet. Dadurch erhofften wir uns eine möglichst große Reichweite. Zu unserem eigenen Überraschen ist “#uploading_holocaust” inzwischen bis in die USA geschwappt. Zusätzlich sind wir aktuell mit Jacob Gensch auf Tour und stellen unser Konzept an verschiedenen Orten vor.  Wir selbst sind auch an viele Schulen gereist und haben dort das Projekt mit den Schülern durchgeführt. Genauso wie die Reaktionen der israelischen Schüler in den Videos, waren auch die Reaktionen der deutsch Schüler sehr interessant, da es viele unterschiedliche gab. Einige waren durch die Bilder sehr eingenommen und bewegt, andere fühlten sich nicht betroffen und haben dadurch ein schlechtes Gewissen entwickelt. Aktuell stehen wir noch mit vielen Schulen, die unser Vorhaben unterstützen, in Kontakt.

Wie sieht die Zukunft des Projektes aus?

Momentan ist geplant, dass “#uploading_holocaust” mindestens fünf Jahre online zur Verfügung steht. Nach einem Jahr soll eine Gesamtauswertung vorgenommen werden. Diese ist ist für Mitte November vorgesehen. Der Abschlussbericht soll medienübergreifend stattfinden und veröffentlicht werden. Zum einem wird er selbstverständlich auf unserer Webseite, aber auch auf anderen Webseiten, Broschüren und Zeitungen bekannt gegeben. Auf unserer Webseite wird der gesamte Bericht zur Verfügung stehen. Bei den anderen Veröffentlichungen soll der Bericht auf die Interessen der Rezipienten angepasst werden.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, das Projekt online zu publizieren?

Der wichtigste Grund ist natürlich unsere Zielgruppe. Das Internet ist das von Jugendlichen am häufigsten benutzte Medium. Wir wollten mit einem offenen Programm arbeiten. Dies bietet den Vorteil, dass es ohne Registrierung frei zugänglich und kostenlos ist. Es sollte also barrierefrei sein. Die gebündelte Darstellung ist dabei ein weiterer Gewinn. Das Internet bietet dafür auch viel mehr Optionen als eine Broschüre, wie das Verschmelzen von Elementen. Dadurch ist es möglich, die YouTube-Videos mit der Live-Auswertung der Fragen zu kombinieren. Außerdem ist es uns gelungen, dass die Teilnehmer mit israelischen Jugendlichen in Kontakt treten können.

Was hat sie persönlich am meisten bewegt?

Ich werde nie vergessen, wie eine Schülerin vor mir geweint hat. Sie war unglaublich bewegt von der israelischen Schülerin, welche im Video einen Text während einer Zeremonie vorgetragen hat. Das hat ganz deutlich gezeigt, dass es uns gelungen ist, mit der Mischung aus Bewegtbildern und einer einfachen Form der Interaktion große Emotionen auszulösen. Zu wissen, dass wir Schüler mit dem Projekt bewegen und zum Nachdenken anregen, begeistert uns alle.

Das Interview führten Nina Gollwig und Anita Wichert.

Die Interviews mit den Nominierten und die Videos sind im Rahmen eines Medienpraxis-Seminars an der Universität zu Köln entstanden.

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