Feb 222018
 

Foto: Grimme-Institut / Arkadiusz Goniwiecha

Endspurt – noch 8 Tage, dann endet die Einreichungsfrist für den Grimme Online Award 2018. Bis dahin durfte das Grimme-Team schon hunderte spannende Angebote aus der digitalen Welt prüfen und der Nominierungskommission zur Diskussion präsentieren. Das klingt nach Arbeit? Definitiv, aber es lohnt sich und macht zudem noch Spaß!

Hi, ich bin neu hier!

Als Praktikantin beim Grimme Online Award darf ich Teil der gesamten Sichtungsphase sein. Jedes eingereichte Online-Angebot wird von unserem vierköpfigen Team genauestens unter die Lupe genommen und auf Herz und Nieren geprüft. Herz und Nieren – das bedeutet für den Award insbesondere die Herkunft der Angebote – ist es überhaupt unabhängig, die Technik und Zugänglichkeit, die Webspezifik der Angebote, ihre Relevanz für die allgemeine Öffentlichkeit und ihre publizistische Qualität. Da wird einem eine neue Art der Betrachtung, jenseits des Alltagssurfens, abverlangt – mein persönlicher Geschmack oder meine Herzstücke aus dem World Wide Web haben hier keine Priorität, der objektive Blick ist entscheidend. Da muss man erstmal seine alten Gewohnheiten ablegen.

Ab ins kalte Wasser mit dir!

Das wurde mir spätestens an Tag 3 meines Praktikums bewusst – der Tag der ersten Nominierungskommissionssitzung. Aufregend, da treffe ich doch direkt das Expertenteam, das für die diesjährigen Nominierungen zuständig ist. Hier konnte ich meine Vorarbeit direkt mal auf den Prüfstand stellen: Betrachtet die Nominierungskommission die ausgewählten Angebote genauso wie ich? Sieht sie ebenfalls das Potential, oder auch die Mängel, welche die Angebote mit sich bringen? Ich hoffte auf eine angeregte Diskussion – und meine Erwartungen wurden erfüllt.

Die Nominierungskommission 2018 in 360°: (v.l.) Bettina Begner, Henning Grote, Michael Schwertel, Kübra Gümüsay, Leif Kramp, Christian Bartels und Tanja Banner. Foto: Michael Schwertel

Die Nominierungskommission 2018 in 360°: (v.l.) Bettina Begner, Henning Grote, Michael Schwertel, Kübra Gümüsay, Leif Kramp, Christian Bartels und Tanja Banner. Foto: Michael Schwertel

Ein bunter Haufen…

Nicht nur für mich war alles neu, auch für einige der Nominierungskommission 2018 – diese besteht aus alten Bekannten und neuen Gesichtern (okay, wie bereits gesagt – für mich waren alle neu). In diesem Jahr wieder dabei sind: Die Publizistin und Aktivistin Kübra Gümüsay; der User-Experience-Designer Henning Grote; der Transmedia-Experte Michael Schwertel und der Medienjournalist und -kolumnist Christian Bartels. Neu mit dabei sind Leif Kramp, der am fachbereichsübergreifenden Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen lehrt; Tanja Banner, Journalistin bei der Frankfurter Rundschau und Bettina Begner, die Medienkulturwissenschaften an der Universität zu Köln studiert. Letztere ist im doppelten Sinne neu – zum ersten Mal ist jemand frisch aus der Uni mit an Bord.

Gemeinsam identifizieren sie die besten Beiträge in den vier Wettbewerbskategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial und wählen die nominierungswürdigen unter ihnen aus.

… mit verschiedenen Ansichten

Foto: Barbara.

Was deutlich wird – die Mitglieder kommen aus verschiedenen Bereichen der Internet- und Medienlandschaft. Das verspricht einen facettenreichen Blick auf die Einreichungen und eine rege Diskussion über die Grenzen der Bewertungskriterien. Deutlich wurde das vor allem bei der Frage der Form von den Angeboten: Webspezifik, was bedeutet das eigentlich im Jahr 2018? Muss ein Angebot zu hundert Prozent an das Internet gebunden sein oder darf es sich in Teilen auch in der realen Welt abspielen? Ein konkretes Beispiel wäre die Netzaktivistin Barbara., die für ihre Arbeit mit dem Grimme Online Award 2016 in der Kategorie Spezial ausgezeichnet wurde. Ihre eigentliche Arbeit, nämlich das Kleben von Schildern fand offline statt; erst die gesammelten und veröffentlichten Fotos ihrer Werke im Netz unter dem Hashtag #ichbinbarbara machten sie zu einem Internetphänomen. Wo liegen die Grenzen der Webspezifik? Oder auch der Publizistik? Diese Fragen wurden auch in diesem Jahr wieder anhand einiger eingereichter Beispiele diskutiert. Es bleibt abzuwarten, ob auch in 2018 ein Mixangebot aus On-/Offline das Rennen macht.

Radio? Fernsehen? Oder doch Internet?

Die Frage nach der Webspezifik stellt sich auch immer wieder bei „klassischen“ Internetangeboten, wie Videoformaten oder Podcasts. Letzteres scheint auch in 2018 ein Hype zu sein, unsere Liste von eingereichten Podcasts füllt sich. Aber was zeichnet dieses Format aus und macht es zu einem speziellen Internetding? Reicht die Verbreitung über das Internet oder könnte es, rein formal, nicht auch im Radio laufen? Gleiches gilt für einige Videoangebote und die entsprechende Verbreitung über das Fernsehen. Was macht also einen Podcast zu einem Podcast? Für die Nominierungskommission ist es vor allem die Interaktion mit den Zuhörern – das kann nur das Internet. Und das funktioniert am besten über Social Media. Und eine gelungene Kommunikation über diese Kanäle soll nach Ansicht der diesjährigen Nominierungskommission ebenfalls gewürdigt werden.

Her mit Instagram-Accounts!

Besonders laut wurde der Ruf nach Instagram-Accounts: Lange galt diese Plattform als Bühne für die Darstellung des Selbst – Angebote publizistischer Qualität waren rar. Mit der neuen Funktion, seine Stories zu archivieren und zu kategorisieren, also seine “Highlights” zu setzen, wird eine neue Art des digitalen Storytellings geschaffen. Instagram setzt sich damit von anderen Anbietern ab: Story-Funktionen haben mittlerweile alle Großen, diese speichern kann man nur bei Instagram. Und das macht sie nachvollziehbar und somit bewertbar. Die Nominierungskommission ist sich da einig – sie will publizistisch wertvolle Stories und Accounts aus sozialen Medien. Und Blogs. Und Podcasts. Und Websites und Apps und 360°-Angebote. Und und und…

Und jetzt seid Ihr an der Reihe!

Wie ich schon gesagt habe, meine Erwartungen über die Diskussionen wurden erfüllt. Nach einem langen Tag voller spannender Gespräche weiß ich nun: Auch ich bin auf dem richtigen Weg. Meine „Alltagsbrille“ konnte ich ablegen, meinen Blick für das Besondere schärfen und das „gewisse Etwas“ in den Angeboten erkennen. Auch ich will mehr. Also los, Endspurt! Noch bis einschließlich 1. März habt ihr Zeit, eure Vorschläge für den #GOA18 einzureichen. Füllt meine Liste mit spannenden Inhalten aus der digitalen Welt. Ich bin gespannt und freue mich auf das, was noch kommt.

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