Jun 012018
 
Screenshot von "Was denkst du denn?"

Screenshot von “Was denkst du denn?”

Zum Nachdenken bewegt der Philosophie-Podcast “Was denkst du denn?”. Die Journalistin Nora Hespers und die Philosophin Rita Molzberger besprechen Themen des Alltags. Political Correctness, die eigene Identität oder Digitalisierung sind nur ein paar Beispiele hierfür. Die beiden befragen die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln und bringen sich selbst und ihre ZuhörerInnen auf neue Ideen.

“Was denkst du denn?” ist in der Kategorie Kultur und Unterhaltung für den Grimme Online Award 2018 nominiert. Nora Hespers und Rita Molzberger erzählen im Interview unter anderem, wie sie sich auf eine neue Podcast-Folge vorbereiten.

Wie ist die Kooperation zwischen Ihnen entstanden?

Nora Hespers: 2015 habe ich irgendwann mal einen Ersatz für einen Interviewpartner bei Deutschlandfunk Nova gesucht, da wurde mir die Philosophin Rita Molzberger von der Uni Köln vorgeschlagen. Ende 2016 dann war ich frustriert, weil es mit meinem anderen Podcast nicht richtig voranging. Ich wollte aber weiter podcasten und mir schwebte die ganze Zeit so ein Philosophie-Ding vor. Da habe ich mich an Rita erinnert und sie einfach angeschrieben, ob sie sich nicht vorstellen könnte mit mir zusammen einen Podcast zu machen.

Nora Hespers und Rita Molzberger von "Was denkst du denn?" bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Nora Hespers und Rita Molzberger von “Was denkst du denn?” bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Woher kommen die Ideen zu den Themen, die Sie besprechen wollen? Teilweise kommt es ja auch zu kontroversen Diskussionen. 

Rita Molzberger: Manchmal stoßen wir durch Alltagssituationen oder Anekdoten drauf. Manchmal ist es auch so, dass man durch Gespräche mit anderen oder wenn man gerade was gelesen hat auf etwas aufmerksam wird und das gesellschaftspolitisch interessant findet.

NH: Ich zähle die Themen auch meistens gar nicht als so kontrovers. In Folgen über #MeToo oder Poltical Correctness ist schon klar, dass das sehr kontrovers und emotional diskutiert wird. Aber ich habe meistens das Gefühl, wir lösen das über eine Meta-Ebene.

RM: Wobei wir uns ja auch leisten würden mal anderer Meinung zu sein. Das wäre kein Drama, sondern würde umso mehr den Podcast bereichern. Es ist nur so, dass wir immer versuchen das von allen Seiten her zu beleuchten. Dann wird man sich vielleicht mal schneller einig, als man eigentlich will.

NH: Ja, entweder man wird sich einig oder es gibt zumindest ein Grundverständnis dafür, dass die eine Position auch ihre Berechtigung hat. Das ist häufig so, dass man nicht sagt “das ist richtig und das falsch”. In einem bestimmten Kontext sind beide irgendwie nachvollziehbar.

Wie bereiten Sie sich denn auf eine Folge vor? Stehen die Fragen alle vorher fest oder entstehen die während des Gesprächs?

RM: Ich recherchiere, was ich zum Thema passend finde, was mir einfällt und was ich für diskutabel halte. Nora macht das auch, aber getrennt von mir. Wir sprechen nicht ab, aus welcher Richtung wir uns nähern – das ist von unserer Fachzugehörigkeit her ohnehin schon unterschiedlich. Wir nehmen uns nie vor, was wir besprechen oder rauslassen. Es ist dann wirklich ein offenes Gespräch.

NH: Tatsächlich habe ich mir selten Fragen aufgeschrieben. Im Gespräch und durch den Input von Rita entwickle ich auch neue Gedanken und Fragen – was ich auch eigentlich das Spannende finde. Wenn ich das vorher schon alles aufschreiben würde, wäre meine Sicht auch vorher schon festgelegt.

Screenshot einer Podcast-Folge von "Was denkst du denn?"

Screenshot einer Podcast-Folge von “Was denkst du denn?”

Ändert sich auch die eigene Denkweise, wenn man selbst im Gespräch ist?

RM: Die ändert sich auf jeden Fall bei mir. Da kommen einfach Dinge, die ich sonst nicht erwartet hätte oder auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Dass die Denkweise sich drastisch verändert hat, hatte ich allerdings noch nicht. Wir versuchen ja auch alle Argumente im Vorhinein zu bedenken. Aber es passiert schon, dass sich das in Nuancen verändert. Es ist für mich auch total wertvoll, mich selbst noch einmal zu korrigieren, weil mich jemand mit seinen Gedanken inspiriert hat.

NH: Es gibt definitiv so “Aha-Momente” wo man plötzlich etwas versteht, was man vielleicht schon gefühlt hatte, aber nicht in Worte fassen konnte. Das passiert im Kleinen und im Großen und es ist jedes Mal so, dass ich denke: Wie schön. Das sind immer Glücksmomente im Podcast.

Über welche Themen besteht in Zukunft noch Gesprächsbedarf?

NH: Wir haben noch so einige Themen in Planung. Zum Beispiel das Thema Willensfreiheit. Es gibt auch die Diskussion darum, was Kinder ihren Eltern schulden. Wir wollen das mal umdrehen und fragen: Was schulden eigentlich Eltern ihren Kindern? Haben sie zum Beispiel einen Anspruch auf ein Erbe? Ich finde das als Gesamtfrage sehr spannend, weil dann die Diskussion mal andersherum läuft.

RM: Dann möchten wir auch mal über verschieden Kommunikationsformen sprechen. Ich würde auch mal ganz gerne über unser Wissenschaftsverständnis sprechen.

NH: Also die Themen werden uns nicht ausgehen, da bin ich zuversichtlich.

Das Interview führte Juliane Glahn.

Die Videos entstanden im Rahmen der medienpraktischen Seminare des Masterstudiengangs International Media Studies (IMS) der DW-Akademie.

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