Lars Gräßer

Apr 082015
 

2014 haben sie Spuren hinterlassen und in diesem dürfte sich das auch nicht ändern: “Neben dem Storytelling sind Video-Formate als Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, diagnostizierte  die Jury des Grimme Online Award im vergangenen Jahr. Warum sich vermuten lässt, das erneut “Video-Formate als Megatrend im Auswahlverfahren” hervor stechen? Anzahl und Qualität! Dabei finden sich unter den Einreichungen zahlreiche etablierte Anbieter, aber auch viele weniger profilierte. Insbesondere informationsorientierte Formate sind stark vertreten, geht es beim Grimme Online Award doch um publizistisch hochwertige Angebote in deutscher Sprache. Aber auch anderes ist dabei – bis hin zur Ethno-Comedy. Continue reading »

Mrz 262015
 

Ein Gastbeitrag von Steffen Grimberg, Leiter Grimme-Preis

Screenshot "Mr. Dicks" Preisträger beim Grimme-Preis 2015

Screenshot “Mr. Dicks” Preisträger beim Grimme-Preis 2015

Als im September 2014 Netflix seinen deutschen Ableger startete, stand es plötzlich leibhaftig vor der Tür: Das Ende des Fernsehens wie wir es kennen. Das Aus für ein lineares Angebot, wo alle zu einer bestimmten Zeit vor einem bestimmten Gerät sitzen müssen. Ein neues TV-Zeitalter brach an, hieß es unisono in den Medien, mal jubelnd-euphorisch, mal kulturpessimistisch argwöhnend.

Gestimmt hat das natürlich schon damals nicht, war aber beste Werbung für die Netflixer, die das ganze Ballyhoo einigermaßen amüsiert zur Kenntnis nahmen und sich – man kennt das von Google – hübsch bescheiden als bloßer Dienstleister präsentierten. Und betonten, dass da keinesfalls die Absicht bestehe – wie medial unterstellt –, den hiesigen TV-Markt aufzurollen. Nein, das deutsche Fernsehen findet nach wie vor bei ARD und ZDF, RTL und Sat.1, ProSieben und Tele5 usw. usf. statt, vorzugsweise ab acht Uhr abends und vorzugsweise im Sitzen. Auch wenn Netflix bei seiner Präsentation natürlich die Option dabei hatte, sich seine Lieblingsserie auf das ins Cockpit des Hometrainers integrierte Tablet zu streamen. Continue reading »

Aug 192014
 
iBlali

Branche trifft Fans, hier iBlali mit Fan.

Wer in diesen Tagen kreischende Teenager am Rande des Nervenzusammenbruchs sehen will, kommt an Köln nicht vorbei, wo die gamescom und die diesjährigen VideoDays stattgefunden haben. War Bewegtbild beim diesjährigen Grimme Online Award als “Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, schreibt die Jury des Grimme Online Award 2014 in ihrem Statement, präsentiert es sich bei den VideoDays als jugendkulturelles Pop-Phänomen: Stundenlange Autogramm-Sessions, jubelnde Fans und zum Höhepunkt eine Show mit allen YouTube-Stars.

Wer glaubte, das eine Steigerung zum letzten Jahr mit über 10.000 Besuchern nicht mehr möglich wäre, wurde überrascht: Am Samstagabend gingen die gerade mal fünften VideoDays mit einer großen Live-Show und einem Besucherrekord zu Ende. 15.000 Besucher kamen von Freitag bis Samstag in die ausverkaufte Lanxess Arena nach Köln. Traf man sich 2010 noch im Rahmen der gamescom mit 400 Teilnehmern, waren es im Folgejahr schon fünf Mal so viel, während man sich heutzutage komplett von der Spielemesse emanzipiert hat. Geblieben ist lediglich eine zeitliche sowie eine lokale Nähe.  Aus der Szene ist eine Branche geworden, resümierte Markus Hündgen (EVWA) unlängst, einer der Macher des deutschen Webvideopreises. Und diese Branche trifft hier die Fans, die in der Regel Zuschauer sind: Zwar ist Bewegtbild im Netz unter Heranwachsenden enorm populär, aber gerade mal jede(r) Zehnte (11 Prozent) hat in den letzten zwei Wochen Kommentare unter Videos gesetzt und nur vier Prozent eigene Videos hoch geladen (vgl. mpfs 2013, S. 35). “Broadcast yourself”, so das YouTube Motto, trifft also nur auf eine Minderheit zu, selbst wenn potentiell jedes einfache Handyvideo hoch geladen werden könnte. Zu beobachten ist stattdessen eine zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung auf YouTube. Continue reading »