Mrz 152017
 

Ein Gastbeitrag von Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler und Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Grimme Online Award ist ein “Qualitätspreis für Online-Publizistik”. So steht es im Statut, und zwar gleich im ersten Satz. Die ausgezeichneten Angebote sollen, so heißt es etwas später, “eine beispielhafte Orientierung für publizistische Qualität im Netz” geben. Das Wort “publizistisch” steht also im Mittelpunkt des Preises. Doch was bedeutet es genau?

Jury 2012 mit Christoph Neuberger (3. v. l).; Foto: Grimme-Institut

Jury 2012 mit Christoph Neuberger (3. v. l.); Foto: Grimme-Institut

Zunächst einmal ist mit “Publizistik” all das gemeint, was zum Angebot der Massenmedien zählt, was sich also an ein großes Publikum richtet und für möglichst viele relevant sein soll. Dabei geht es ausschließlich um redaktionell gestaltete Inhalte – also nicht um reine Serviceinformationen, etwa Tabellen, Listen oder Datenbanken. Diese gestalteten Angebote lassen sich den publizistischen Sparten Information, Beratung, Bildung, Kultur und Unterhaltung zuordnen. In diesen Kategorien verleiht auch die Grimme-Jury ihre Preise. Wichtig ist auch: Publizistische Leistungen werden unabhängig erbracht. Redaktionen sollten sich also nicht von fremden Einflüssen bestimmen lassen. Das unterscheidet sie von anderen Kommunikationsformen, die einem bestimmten Interesse oder Auftraggeber verpflichtet sind. Letztere gehören zum Bereich der Werbung und der Public Relations, der vom Preis ausgeschlossen ist. Continue reading »

Aug 312016
 

youtube-creator-dayVieles ist gleich geblieben bei den VideoDays, interessant sind daher die kleinen Unterschiede zum Vorjahr: Erstmals wurde die “Academy” durch das YouTube-Community-Management organisiert, Showtag war am Freitag und Community-Day am Samstag – ein neues Konzept, früher war es umgekehrt. RTL 2 sorgte für Verfügbarkeit im Netz – Stream und On-Demand – und eröffnete zehn Musik-­Talenten im Rahmen des VideoVisionSongContest (#ViViSoCo) die Möglichkeit, ihr Können auf großer Bühne unter Beweis zu stellen, während viele große YouTuber fehlten. Und das Zuschauerinteresse ist nach Jahren des Wachstums zurück gegangen. Continue reading »

Aug 192014
 
iBlali

Branche trifft Fans, hier iBlali mit Fan.

Wer in diesen Tagen kreischende Teenager am Rande des Nervenzusammenbruchs sehen will, kommt an Köln nicht vorbei, wo die gamescom und die diesjährigen VideoDays stattgefunden haben. War Bewegtbild beim diesjährigen Grimme Online Award als “Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, schreibt die Jury des Grimme Online Award 2014 in ihrem Statement, präsentiert es sich bei den VideoDays als jugendkulturelles Pop-Phänomen: Stundenlange Autogramm-Sessions, jubelnde Fans und zum Höhepunkt eine Show mit allen YouTube-Stars.

Wer glaubte, das eine Steigerung zum letzten Jahr mit über 10.000 Besuchern nicht mehr möglich wäre, wurde überrascht: Am Samstagabend gingen die gerade mal fünften VideoDays mit einer großen Live-Show und einem Besucherrekord zu Ende. 15.000 Besucher kamen von Freitag bis Samstag in die ausverkaufte Lanxess Arena nach Köln. Traf man sich 2010 noch im Rahmen der gamescom mit 400 Teilnehmern, waren es im Folgejahr schon fünf Mal so viel, während man sich heutzutage komplett von der Spielemesse emanzipiert hat. Geblieben ist lediglich eine zeitliche sowie eine lokale Nähe.  Aus der Szene ist eine Branche geworden, resümierte Markus Hündgen (EVWA) unlängst, einer der Macher des deutschen Webvideopreises. Und diese Branche trifft hier die Fans, die in der Regel Zuschauer sind: Zwar ist Bewegtbild im Netz unter Heranwachsenden enorm populär, aber gerade mal jede(r) Zehnte (11 Prozent) hat in den letzten zwei Wochen Kommentare unter Videos gesetzt und nur vier Prozent eigene Videos hoch geladen (vgl. mpfs 2013, S. 35). “Broadcast yourself”, so das YouTube Motto, trifft also nur auf eine Minderheit zu, selbst wenn potentiell jedes einfache Handyvideo hoch geladen werden könnte. Zu beobachten ist stattdessen eine zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung auf YouTube. Continue reading »

Sep 202012
 

Nicht nur “online first”, sondern auch Online-Qualitätsbeurteilung zuerst: 2011 wurde das Web-Radio “detektor.fm” für den Grimme Online Award nominiert und nun in der Kategorie “Beste Innovation” mit dem Deutschen Radiopreis 2012 ausgezeichnet, übrigens ebenfalls von einer durch das Grimme-Institut betreuten Jury. Continue reading »

Sep 182012
 
Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

Ein Gastbeitrag von Lars Gräßer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Grimme-Institut, hier in vielen Medienkompetenzprojekten engagiert und Blogger unter “Lars pflanzt Ideen”.

Was haben Microsoft, Apple, Google, Amazon gemeinsam? Richtig: Sie beherrschen das Internet und damit auch ein Gutteil unseres Alltags. Und was noch? Sie werden als (digitale) Ökosysteme betrachtet, die im Internet miteinander um Aufmerksamkeit und Geld der Nutzer(innen) konkurrieren. Etabliert sich hier eine neue Leitmetapher für den Medien- bzw. den Internetbereich, welcher die Vorstellung von der Datenautobahn ablöst? Hält der Umweltgedanke Einzug? Und mit welchen Konsequenzen für wen? Wie gestaltet sich das systemische Denken über Medien? Continue reading »

Jul 192012
 

Nach GuttenPlag, Arabischem Frühling und Occupy-Bewegung im letzten Jahr wird die Frage der bürgerschaftlichen Beteiligung im und über das Netz hierzulande gegenwärtig vor allem über die Wahlerfolge der Piratenpartei auf der öffentlichen Agenda gehalten. Online-Konsultationen und -Petitionen, Open-Data-Projekte, Bürgerhaushalte im Internet oder auch eigenständige Initiativen zur öffentlichen Kontrolle und größeren Transparenz des politischen Handelns, wie etwa der diesjährige Preisträger „Lobbypedia“, verweisen auf das große Spektrum bereits existierender Aktivitäten zur so genannten „E-Partizipation“.

Fragen nach Qualität, Möglichkeiten und Effekten einer „E-Demokratie“ hat im letzten Herbst eine Fachtagung des Grimme Online Award zur Diskussion gestellt, über die ja auch in diesem Blog berichtet wurde. Videos mit Referenten der Fachtagung sind nun im E-Demokratie-Videokanal der Landeszentrale für politische Bildung NRW zu betrachten.

Auf konkrete Möglichkeiten der E-Partizipation macht auch ein Themenheft der Grimme-Broschüren-Reihe „Im Blickpunkt“ aufmerksam. Und last but not least befasst sich eine neue Grimme-Publikation mit Chancen und Fragen demokratischer Beteiligung im Internet. Unter dem Titel „Soziale und politische Teilhabe im Netz? E-Partizipation als Herausforderung“ wird sie in Kürze in der “Schriftenreihe Medienkompetenz des Landes Nordrhein-Westfalen” (kopaed Verlag) veröffentlicht. Meinen Beitrag „Partizipation im Spiegel des Grimme Online Award“ gibt es bereits vorab hier zu lesen.

Apr 022012
 

Ende Februar wurde – mal wieder – eine neue Internet-Studie vorgelegt, die allerdings weniger bekannt und an dieser Stelle eine Erwähnung wert sein dürfte. Nicht nur, weil das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), dessen Schirmherr übrigens unser neuer Bundespräsident ist, Auftraggeber dieser Studie war. Sondern vielmehr, weil die “Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet” vom SINUS-Institut durchgeführt wurde, das für Verhalten und Einstellungen der Online-Nutzer sieben SINUS-typische Internet-Milieus identifiziert hat.

Ohne an dieser Stelle auf Details der Studie eingehen zu wollen, scheinen doch einige Aspekte und Ergebnisse bemerkenswert, weil sie das Medienverhalten in den Kontext sozialer Lebenszusammenhänge stellen. Continue reading »

Mrz 092012
 

Ein Diskussionsbeitrag von Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler und Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das Internet leidet in der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr unter mangelnder Aufmerksamkeit. Doch fällt dabei der Blick meistens auf die Schattenseiten. Das Gute am Netz kommt in der Debatte zu kurz. Außerdem reden viele aneinander vorbei. Allerdings ist Qualität im Internet auch nur schwer zu fassen, denn es wechselt ständig seine Erscheinungsformen und Orte. Drei Anmerkungen zur Frage nach der Qualität im Internet.

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Feb 232012
 

In ihrem Beitrag “Apps sind preiswürdig” hat Monika Gemmer bereits gute Gründe genannt, warum der Grimme Online Award auch Apps in seinen Wettbewerb aufnehmen sollte. Nun muss sich die Nominierungskommission in diesem Jahr erstmals mit Apps beschäftigen – und sich in der Diskussion über Bewertungskriterien verständigen.

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Feb 032012
 

Ein Gastbeitrag von Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de, der jungen Website der  Süddeutschen Zeitung.

Jurys von Online-Journalistenpreisen haben überall in Deutschland ein Problem. Sie sollen herausragenden Netz-Journalismus auszeichnen, finden aber oft vor allem Publikationen, die auch auf den so genannten klassischen Kanälen veröffentlicht worden sein könnten: Besondere Bilder oder großartige Texte machen allein noch keinen auszeichnungswürdigen Online-Journalismus. Denn das Netz als Lebensraum vieler Menschen verlangt auch ein neues journalistisches Denken. Dieses baut auf den klassischen Werten des Qualitätsjournalismus auf, dreht sie aber weiter. Continue reading »