Mrz 012017
 

“Ich könnt noch tausend Liter tanken, bin noch immer nicht am Ziel …”, tönt es aus dem Radio und zu diesen Zeilen steigt Tankstellen-Träumer Friedrich Liechtenstein zu uns in den goldenen Benz. Wir machen es uns in den Ledersitzen bequem. Eskortiert von zwei Motorradrockern beginnt nun ein kleiner Road-Trip durch Berlin, den wir dank Virtual-Reality-Brille fast wie in echt erleben. Unterwegs schauen wir nach rechts und links und sehen tanzende Einhörner oder Passanten, die sich plötzlich zu einem Chor formatieren und mitsingen, zwischendurch regnet es goldenes Konfetti.

Screenshot 360°-Video "1.000 Liter" von Friedrich Liechtenstein

Friedrich Liechtenstein nimmt uns mit auf einen kleinen Road-Trip durch Berlin / Screenshot 360°-Musikvideo “1.000 Liter”

Mit seiner zehnteiligen Doku-Reihe “Tankstellen des Glücks“, die auf Arte zu sehen war, ist Liechtenstein in diesem Jahr für den Grimme-Preis nominiert. Angereichert wird die TV-Produktion von dem 360°-Musikvideo zum Titellied “1.000 Liter“ und findet so auch seinen Weg ins Internet. Dort ist es über die Arte360-App und auf Arte Creative abrufbar.

Derartige Spielereien mögen wir vom Grimme Online Award natürlich sehr, wollen wir doch einmal schauen, welche Nominierten des 53. Grimme-Preises noch mit spannenden Angeboten zu ihren Werken im Internet vertreten sind.

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Aug 312016
 

youtube-creator-dayVieles ist gleich geblieben bei den VideoDays, interessant sind daher die kleinen Unterschiede zum Vorjahr: Erstmals wurde die “Academy” durch das YouTube-Community-Management organisiert, Showtag war am Freitag und Community-Day am Samstag – ein neues Konzept, früher war es umgekehrt. RTL 2 sorgte für Verfügbarkeit im Netz – Stream und On-Demand – und eröffnete zehn Musik-­Talenten im Rahmen des VideoVisionSongContest (#ViViSoCo) die Möglichkeit, ihr Können auf großer Bühne unter Beweis zu stellen, während viele große YouTuber fehlten. Und das Zuschauerinteresse ist nach Jahren des Wachstums zurück gegangen. Continue reading »

Mai 192016
 
Thumbnail der 37. BrainFed Folge. Foto: MESH Collective

Thumbnail der 37. BrainFed Folge. Foto: MESH Collective

BrainFed ist ein Nachrichtenformat, das alle zwei Wochen auf Youtube erscheint. In jeweils dreiminütigen Videos klärt Marik Roeder alias DarkViktory den Zuschauer, mithilfe von humorvollen Animationen, über aktuelle Themen und ihre Hintergründe auf. BrainFed wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung in Auftrag gegeben. Es ist eins von zwei Nachrichtenmagazinen die von MESH Collective produziert werden. Das Format soll insbesondere Jugendlichen Nachrichten näher bringen und sie durch eine interessante Präsentation, und die Möglichkeit zur Interaktion, gezielt ansprechen. Die Zuschauer können sich Themen wünschen und bei besonders großer Resonanz erscheint eine “BrainFed-Nachschlag”-Folge, welche diese Themen genauer beleuchtet. BrainFed ist in der Kategorie Wissen und Bildung für einen Grimme Online Award nominiert. MESH-Chefredakteurin Franziska von Kempis erklärt im Interview die Hintergründe der Themen und die Produktion der Videos. Continue reading »

Mai 082016
 
Gediegenes Ambiente bei der Bekanntgabe der Nominierten, Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof

Gediegenes Ambiente bei der Bekanntgabe der Nominierten, Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof

Hanseatisch gediegen ging es zu bei der Bekanntgabe der diesjährigen Nominierungen für den Grimme Online Award und erinnerte Brigitte Baetz, Moderatorin und Mitglied der Nominierungskommission sogleich an “Grünkohlessen in der Bremer Bürgerschaft”. Dabei fand sie im altehrwürdigen Senatssaal der Universität zu Köln statt, quasi dort, wo die Kölner Uni ganz bei sich ist – hohe Stuhllehnen, an den Wänden Portraits der ehemaligen Uni-Kanzler in Öl, die streng auf das Treiben vor sich blicken, ganz so, als ob sie fragten: “Ob sich dieses Internet durchsetzen wird?” Nun es hat sich durchgesetzt und mit ihm die 28 nominierten Angebote – gefiltert aus insgesamt 1.200 Einreichungen in diesem Jahr. Und fast alle Nominierten waren angereist. Manche sind auch nicht gekommen, einige blieben abwesend und waren doch präsent, aber davon später mehr.

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Nov 162015
 

MedienConcret-1-2015Das Erzählen ist Grundlage von allem: “Ohne ist nichts nicht, so scheint es”. Das Erzählen erschafft und transportiert Mythen, es konstruiert Identitäten und rahmt Existenzen. Daher begleitet es uns seit Menschengedenken, angefangen von der Höhlenmalerei, über die Bibel und später den Roman, bis hin zu den bewegten Bildern heutiger Tage und ins Digitale hinein. Galt lange mit Blick auf das Web, je kürzer desto besser und “wer scrollt verliert”, scheint sich jetzt der Trend umzukehren: Langformen etablieren sich unter dem Etikett Scrollytelling und das Erzählen wird zunehmend medienübergreifend(er). Kein Wunder also, dass das Erzählen schon mehrfach hier im Blog Thema war und wohl auch immer wieder sein wird, denn egal ob kurz oder lang: Es sind die Geschichten, die unser Interesse für Medien erst wecken und deren Inhalte Form und Gestaltung geben – jenseits der Oberflächen. Continue reading »

Aug 172015
 
Gigantische Autogrammstunde: der Community-Day am 7.8. Bild: Gerstmann.

Gigantische Autogrammstunde: der Community-Day am 7.8. Bild: Gerstmann.

Zehn Jahre wird YouTube in diesem Jahr alt und die VideoDays, das größte YouTuber-Treffen Europas (Selbstbeschreibung), auch schon sechs. Gestartet als Rahmenprogramm der Computerspielemesse Gamescom mit 400 Teilnehmern, ist der Event mittlerweile in einer der größten Locations in Köln angekommen; in der Lanxess Arena. Die Vorjahresausgabe war hier ja bereits Thema.

Bemerkenswert war die Entwicklung hin zu einem Branchenevent – hinter den Kulissen –, zu dem sich die Branchengrößen ein abwechslungsreiches Stelldichein gaben, und einem massentauglichem Fantreffen „davor“. Das hat sich geändert, muss man in diesem Jahr feststellen, während der Massenzuspruch ungebremst scheint: Über 15.000 vorwiegend junge Menschen strömten am 7. und 8. August wieder nach Köln, um sich von gut und gerne 300 YouTubern (am 7.8.) Autogramme geben oder (am 8.8.) entertainen zu lassen.

Deutlicher denn je: Webvideo ist längst keine Nische mehr, selbst wenn die Mehrheit der YouTuber für die allermeisten (Erwachsenen) gänzlich unbekannt ist. Dabei will die „YouTube Global Audience Study“ herausgefunden haben, dass weltweit lediglich 15 % der Nutzer unter 18 Jahren alt sind, 37 % zwischen 18-34 Jahren ist und mehr als die Hälfte bereits 35 Jahre und älter. Nichtsdestotrotz ist Webvideo vielleicht das Jugendmedium zurzeit, für manche auch das „Leitmedium“ junger Menschen, wie die YOU-Studie meint. Das war in Köln zu spüren: „Kreischende Teenager am Rande des Nervenzusammenbruchs“ dominierten vielfach die Szenerie in der Lanxess Arena. Alles wie immer also? Continue reading »

Jun 012015
 
Screenshot "Shore, Stein, Papier"

Screenshot “Shore, Stein, Papier”

Die Biografie-Serie “Shore, Stein, Papier” auf dem YouTube-Channel “zqnce” gleicht einem Tagebuch. Der Ex-Junkie Sick erzählt über sein Leben, geprägt von Kriminalität, Gewalt und Drogenproblemen – unverblümt und ehrlich. Durch das unkonventionelle Setting in einer Küche und den authentischen Protagonisten wird eine enorme Glaubwürdigkeit der Darstellung erreicht. Das für den Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung nominierte Video-Format “Shore, Stein, Papier” liefert wöchentlich neue Episoden. Im Interview bringt Redakteur Paul Lücke die vielfältigen Arbeitsabläufe näher und gibt einen kleinen Ausblick auf zukünftige Folgen.

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Apr 082015
 

2014 haben sie Spuren hinterlassen und in diesem dürfte sich das auch nicht ändern: “Neben dem Storytelling sind Video-Formate als Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, diagnostizierte  die Jury des Grimme Online Award im vergangenen Jahr. Warum sich vermuten lässt, das erneut “Video-Formate als Megatrend im Auswahlverfahren” hervor stechen? Anzahl und Qualität! Dabei finden sich unter den Einreichungen zahlreiche etablierte Anbieter, aber auch viele weniger profilierte. Insbesondere informationsorientierte Formate sind stark vertreten, geht es beim Grimme Online Award doch um publizistisch hochwertige Angebote in deutscher Sprache. Aber auch anderes ist dabei – bis hin zur Ethno-Comedy. Continue reading »

Aug 192014
 
iBlali

Branche trifft Fans, hier iBlali mit Fan.

Wer in diesen Tagen kreischende Teenager am Rande des Nervenzusammenbruchs sehen will, kommt an Köln nicht vorbei, wo die gamescom und die diesjährigen VideoDays stattgefunden haben. War Bewegtbild beim diesjährigen Grimme Online Award als “Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, schreibt die Jury des Grimme Online Award 2014 in ihrem Statement, präsentiert es sich bei den VideoDays als jugendkulturelles Pop-Phänomen: Stundenlange Autogramm-Sessions, jubelnde Fans und zum Höhepunkt eine Show mit allen YouTube-Stars.

Wer glaubte, das eine Steigerung zum letzten Jahr mit über 10.000 Besuchern nicht mehr möglich wäre, wurde überrascht: Am Samstagabend gingen die gerade mal fünften VideoDays mit einer großen Live-Show und einem Besucherrekord zu Ende. 15.000 Besucher kamen von Freitag bis Samstag in die ausverkaufte Lanxess Arena nach Köln. Traf man sich 2010 noch im Rahmen der gamescom mit 400 Teilnehmern, waren es im Folgejahr schon fünf Mal so viel, während man sich heutzutage komplett von der Spielemesse emanzipiert hat. Geblieben ist lediglich eine zeitliche sowie eine lokale Nähe.  Aus der Szene ist eine Branche geworden, resümierte Markus Hündgen (EVWA) unlängst, einer der Macher des deutschen Webvideopreises. Und diese Branche trifft hier die Fans, die in der Regel Zuschauer sind: Zwar ist Bewegtbild im Netz unter Heranwachsenden enorm populär, aber gerade mal jede(r) Zehnte (11 Prozent) hat in den letzten zwei Wochen Kommentare unter Videos gesetzt und nur vier Prozent eigene Videos hoch geladen (vgl. mpfs 2013, S. 35). “Broadcast yourself”, so das YouTube Motto, trifft also nur auf eine Minderheit zu, selbst wenn potentiell jedes einfache Handyvideo hoch geladen werden könnte. Zu beobachten ist stattdessen eine zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung auf YouTube. Continue reading »

Jul 312014
 

Gastbeitrag von Lars Gräßer

DSC_0009“Neben dem Storytelling sind Video-Formate als Megatrend im Auswahlverfahren deutlich spürbar”, schreibt die Jury des Grimme Online Award 2014 in ihrem Statement. Diesem “Megatrend” geht aktuell eine (Medienkunst-)Ausstellung im Dortmunder U auf die Spur, fokussiert auf den Bereich der Erkärvideos: “Jetzt helfe ich mir selbst” – Die 100 besten Video-Tutorials aus dem Netz. Es geht um Anleitungen zum Selbermachen, ums Do-It-Yourself (DIY), das darüber reden und kommentieren, alles bei laufender Kamera. Die Ausstellung basiert auf einer Idee von Dr. Inke Arns (künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein e.V.). Die Auswahl der Videos entstand in Kooperation mit einem Seminar der Fakultät für Kulturreflexion der Universität Witten/Herdecke (Leitung: Jun.-Prof. Dr. Christian Grüny und Frederik Bury).

Dortmund scheint ein guter Ort für das Selbermachen zu sein: Ende April letzten Jahres schloss erst die Ausstellung “Die Mitmach Revolution” nach acht Monaten in der Dortmunder DASA. Sie thematisierte die “selbstmotivierten Praktiken der Medienamateure, Heimwerker, Tüftler und Dilettanten” und zeigte die Entwicklung der Amateurkulturen vom 19. Jahrhundert bis hin zur Web-2.0-Nutzung der Gegenwart. Continue reading »