Jun 032013
 

Information, Diskussion und Partizipation lauten die drei Anliegen des “Politnetz”. Die Webseite für Schweizer Politik stellt mit aktuell 20.000 registrierten Nutzern die größte und einflussreichste politische Plattform in der Schweiz dar. Nach der Nominierung in der Kategorie Information spricht Geschäftsführer Thomas Bigliel nun über die Entstehung, Ziele und Zukunftspläne seines Angebots.

Thomas Bigliel Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Thomas Bigliel
Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Was war der Anlass für die Konzeption Ihres Angebots?

Wer die politischen Eigenarten der Schweiz kennt, weiß, dass die Schweizerinnen und Schweizer in der Regel sehr konsensorientiert agieren. Das gilt für die Gesellschaft, aber auch für die politischen Akteure. Eben diese Debattenkultur wollte unser Team ins Netz tragen und journalistisch vorantreiben. Weiterhin wollten wir verhindern, dass der politische Diskurs alleine von Facebook bestimmt wird. Dass der Start von Politnetz in etwa mit dem Aufkommen von Facebook zusammenfällt, ist also kein Zufall. 2009 war absehbar, dass Facebook andere soziale Netzwerke und Plattformen kannibalisieren würde – die VZ-Netzwerke seien hier als Beispiel genannt. Es ist unserer Community und unseren Investoren zu danken, dass wir heute nicht nur den politischen Diskurs im Netz abbilden können, sondern auch parlamentarische Aktivitäten messen. So konnten wir etwa der einen Schweizer Parlamentskammer mehrere falsch ausgezählte Abstimmungen nachweisen und so dazu beitragen, dass die Abgeordneten künftig nicht mehr per Handaufhalten abstimmen. Wenn ein junges PMO-Startup – PMO steht für parliamentary monitoring organization – wie wir eine seit 1848 bestehende schweizerische Tradition kippen kann, so spricht das schon für sich.

Was und welche Zielgruppen wollen Sie erreichen?
Die Zielgruppe erklärt sich wohl am besten, wenn man sich ein Mashup aus Abgeordnetenwatch, The European und dem Wahl-O-Mat vorstellt. Kurz: Politnetz wird von BürgerInnen, Meinungsmachern, aber auch von Politikerinnen und Politikern genutzt und fungiert vielfach als Diskussionsplattform. Neben einem guten Debattenklima wollen wir aber vor allem dazu beitragen, dass sich die Wählerinnen und Wähler bei einem Urnengang vermehrt auf qualitative Informationen stützen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Abstimmungsprotokolle des Parlaments, die wir als interaktive Abstimmungsvisualisierungen aufbereiten. Mit der Visualisierung und redaktionellen Begleitung wichtiger Vorlagen möchte Politnetz erreichen, dass Nicht-Parlamentarier, also Bürgerinnen und Bürger, Einsicht in die politische Arbeit ihrer Volksvertreter nehmen können. Neben verschiedenen Medien greift seit 2011 sogar das Parlament selbst auf die von uns aufbereiteten Daten zurück.

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Nominierung erfuhren?
An diesem Tag fand in Zürich gerade das “Sechseläuten” statt, ein Volksfest, bei dem die ganze Stadt auf den Beinen ist. Als uns der Anruf erreichte, waren wir mitten im Getümmel und realisierten deshalb auch im ersten Moment nicht, dass wir unter den Preisanwärtern sind. Nach der kurzen Aufklärung, dass man wirklich für DEN Grimme Online Award 2013 nominiert wäre, war die Freude enorm und diese hält bis heute an.

Was bedeutet die Nominierung für die zukünftige Entwicklung Ihres Angebots?
Da unsere nächsten Stationen schon feststehen, wird uns die Nominierung ehrlichweise nicht groß aus dem Konzept bringen. Auf Ratschläge hören wir aber trotzdem gern. Immerhin wird das Grimme-Team unser Angebot auf Herz und Nieren prüfen und uns dabei sicher wertvolle Inputs und Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg geben.

Hier erfahren Sie, worin Thomas Bigliel die Aufgabe und Besonderheit von Politznetz sieht:

 

Weitere Statements der anderen Nominierten finden Sie hier.

 

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