Mai 062019
 
Screenshot: Website eigenleben.jetzt

Screenshot: Website eigenleben.jetzt

Sind die „jungen Leute von gestern“ schon im Heute angekommen? Ja – das zeigt „eigenleben.jetzt“. „Das Magazin für Best Ager“ lesen nicht nur Senioren, sie machen es auch. Dabei werden sie von einer fachkundigen Redaktion unterstützt und ermuntert, auch einmal zu experimentieren. Die Beiträge zu Gesellschaft, Umwelt oder Reisen sind auf die Zielgruppe zugeschnitten – aber auch für Jüngere interessant. „eigenleben.jetzt“ ist für den Grimme Online Award 2019 in der Kategorie Kultur und Unterhaltung nominiert. Anne Bauer, Redakteurin bei eigenleben.jetzt. sowie Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Marli Bossert Stiftung e.V., spricht im Interview über die Talente von SeniorInnen und die Freiheit von Verpflichtungen.

Was ist die Besonderheit an eigenleben.jetzt?

eigenleben.jetzt ist das erste Magazin, das sich nicht mit der Zielgruppe Senioren und dem Thema des Älterwerdens beschäftigt, sondern von Senioren gestaltet wird. Es gibt keine inhaltlichen Vorgaben, jeder kann kreativ sein und Neues ausprobieren. Die Plattform ist eine Chance für Menschen, auch im Alter wahrgenommen zu werden. Technisches Know-how ist nicht nötig, denn unsere Redaktion kuratiert, optimiert für Mensch und Suchmaschine und publiziert alles im Internet. Mit unseren Erfahrungen, viel ehrenamtlichem Einsatz und mit Hilfe der Förderer der Marli Bossert Stiftung erreichen wir die Menschen dort, wo sie sich heutzutage aufhalten – im Internet.

Anne Bauer (r.) mit ihrer Mutter Ulrike Ziegler von eigenleben.jetzt bei der Bekanntgabe der Nominierung zum Grimme Online Award 2019; Foto: Rainer Keuenhof/ Grimme-Institut

Anne Bauer (r.) mit ihrer Mutter Ulrike Ziegler von eigenleben.jetzt bei der Bekanntgabe der Nominierung zum Grimme Online Award 2019; Foto: Rainer Keuenhof/ Grimme-Institut

Was bedeutet der Name eigenleben.jetzt?

»Jetzt ist es an der Zeit, an das eigene Leben zu denken.« Dies sollte nicht nur für Menschen im Ruhestand gelten, sondern allgemein ein Lebensmotto sein. Für viele ist aber erst im Rentenalter die Zeit des Müssens vorbei – man kann endlich das tun, was man immer tun wollte. Meine Mutter zum Beispiel wollte im Ruhestand mit dem Schreiben anfangen, was sie schon immer hatte tun wollen. Das war der Startschuss für unser eigenleben-Projekt. Das übrigens auch selbst ein Eigenleben hat und sicherlich immer haben wird.

Was hat Sie persönlich dazu animiert, dieses Projekt ins Leben zu rufen?

Ich habe in über 30 Jahren als selbstständige Kommunikationsdesignerin sehr viele Magazine gemacht, sie waren nicht nur mein Auskommen, sondern auch meine Leidenschaft. Ein Magazin, das meine Fähigkeiten verbindet und die Talente der Senioren präsentiert, lag im wahrsten Sinne nahe – so eine Möglichkeit möchte ich nämlich als Seniorin selbst haben. Denn ich möchte so lange kreativ tätig sein, bis ich die Maus nicht mehr halten kann.

Beschäftigen Sie sich in Ihren Beiträgen ausschließlich mit „jungen Leuten von gestern“ oder sind auch junge Leute von heute ein Thema?

Die Beiträge beschäftigen sich sehr wenig mit dem Alter. Die AutorInnen sind selbst junge Leute von gestern und schreiben über das, was ihnen wichtig ist, auch über junge Leute von heute. Wir haben auch jüngere AutorInnen oder ProtagonistInnen in unseren Videoporträts, dann geht es aber um etwas, was mit dem Alter oder den Generationen zu tun hat.

Ab wie viel Jahren kann man bei Ihnen mitmachen?

Wir ziehen keine harte Grenze, schließlich möchten wir genau das sonst übliche Schubladendenken vermeiden. Unsere Jüngste ist die Gast-Autorin Paulina Tsvetanova, die mit Anfang 30 über ihre Freundschaft zu dem 68-jährigen Supermodel Anna von Rüden schreibt. Der älteste Macher, Markus Dosch, ist Jahrgang ’31 – das würde man seinem expressiven Schreibstil nie anmerken.

Sie verwenden den Begriff Best Ager in Ihrem Magazin: Inwiefern ist das das „beste Alter“?

Der Begriff Best Ager impliziert die Freiheit, im Ruhestand das tun zu können, was man möchte, frei von Verpflichtungen. Von diesem amerikanischen Euphemismus für Senior haben wir unseren Slogan abgeleitet: Das beste Alter ist jetzt! Besinn dich jederzeit darauf, dass das Jetzt entscheidend ist, egal in welchem Alter.

Screenshot: Website eigenleben.jetzt

Screenshot: Website eigenleben.jetzt

Viele Mitglieder kommen aus München. Trifft sich die Redaktion, wenn ja – wie oft?

Die Redaktion trifft sich einmal pro Monat in München, wobei wir uns nicht nur auf MacherInnen beschränken. Jeder ist herzlich willkommen. Daraus entstehen manchmal sogar Projekte, die unabhängig von unserer Redaktion realisiert werden, die die Leute einfach miteinander umsetzen. Wir fungieren dabei nur als Türöffner und stellen die TeilnehmerInnen einander vor. Der persönliche Kontakt funktioniert einfach am besten. Viele Beteiligte kannte ich bereits vor der Gründung, andere Kontakte entstanden erst durch das Netzwerken. Die Nicht-Münchner sind derzeit tatsächlich in der Unterzahl. Ich hoffe, über den GOA neue kreative Köpfe aus ganz Deutschland zu finden!

Was wünschen Sie sich für Ihr Projekt?

Es wäre schön, durch die Nominierung mehr Menschen zu erreichen. Noch schöner wäre es, wenn eigenleben.jetzt ein Musterbeispiel für unsere Gesellschaft wird. Wir möchten zeigen, dass ältere Menschen viel Potenzial haben und gewillt sind, mit ihrer Lebensweisheit, Erfahrung und Originalität Neues und Kreatives zu schaffen, was auch Jüngeren so viel geben kann. Wir Medienleute haben die Möglichkeit und darum auch die Verantwortung, dass die Generationen sich gegenseitig wahrnehmen und untereinander austauschen. Denn nur, was man kennt, kann man achten.

Das Interview führte Neyna Tigris Parker.

 

Die Interviews entstanden in medienpraktischen Übungen und Seminaren im Bachelor-Studiengang Online-Redaktion an der TH Köln.

 

  3 Responses to “Kreativität kennt keine Altersgrenzen”

  1. Das ist ein interessantes Angebot. Guter Beitrag.

  2. Das ist ein sehr interessantes und sehr gut gelungenes Interview der Studierenden der TU Köln. Daran erkennt man sofort, wie leicht sich unterschiedliche Generationen begegnen können, um sich gegenseitig weiter zu entwickeln, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren. So funktioniert unsere Gesellschaft am Besten und genau so funktioniert eigenleben.jetzt. Ein absoluter Gewinn für alle begeisterungsfähigen und aktiven Menschen, ein Netzwerk für SeniorInnen und solche, die es werden dürfen.
    Eine Plattform von den aktiven Älteren selbst gestaltet. Was für ein großartiges und innovatives, mutiges Projekt.
    Vom ersten Moment an hat mich eigenleben begeistert, als ich es vor einem Jahr kurz nach der Gründung im Internet entdeckt habe.
    Ich habe in der Fülle meines kreativen Lebens und Arbeitens gar nicht richtig bemerkt, dass ich mittlerweile selbst zur Seniorin geworden bin mit 62 Jahren. Um so gelegener kam mir eigenleben.jetzt, genau zum richtigen Zeitpunkt. So können wir Älteren unser umfangreiches Wissen einbringen, für alle zugänglich machen und Menschen dafür begeistern, dass die beste Zeit immer JETZT ist, egal in welchem Alter.
    Ihr habt den Preis wirklich verdient, ich drücke Euch die Daumen.

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