Lars Gräßer

Jan 292019
 
Produktion „Druck“. Foto: Gordon Muehle

Produktion „Druck“. Foto: Gordon Muehle

Tangenten nähern sich bekanntlich im Unendlichen an. Fernsehen und Internet scheinen es eiliger zu haben, blickt man aus der Netzperspektive auf die Nominierungen für den 55. Grimme-Preis. (Ehemalige) Netzgrößen zeigen sich hier in Fernsehformaten, verbreiten sich in Sozialmedien, neue Erzählformen etablieren sich und/oder das Fernsehen blickt seinerseits auf das Netz. Motto: Medienkonvergenz jetzt!?

Fernsehtauglich und einer Nominierung würdig findet die „Kinder & Jugend“ Jury des Grimme-Preises etwa das „Bohemian Browser Ballett“ (Steinberger Silberstein für SWR/funk), das im vergangenen Jahr bereits mit seinem Facebook-Kanal für den Grimme Online Award nominiert war: Mal karikiert es Investigativmagazine bei der Aufdeckung der großen Brötchenverschwörung, mal dreht es gängige Klischees durch den Wolf, wenn Deutsche als „Netzflüchtlinge“ ihre Heimat verlassen (wollen), weil die Netzabdeckung immer noch mangelhaft ist – und überhaupt wurden die Neuankömmlinge mit falschen Versprechungen hierhin gelockt, auch sie wollen daher immer öfter zurück: “Pah, 5G, alles leere Versprechungen!” Continue reading »

Jan 072019
 

Von Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts

Eva Schulz und Hanne Bohmhammel von "Deutschland3000" bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Eva Schulz und Hanne Bohmhammel von “Deutschland3000″ bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Eigentlich war 2018 ein gutes Wettbewerbsjahr für den Grimme Online Award. In der Kategorie Information habe ich mich beispielsweise besonders über die tollen Webvideo-Formate gefreut, etwa die Reportagen von “Jäger & Sammler”, dem “Y-Kollektiv” oder den Facebook-Kanal von “Deutschland3000″, wo „Host“ Eva Schulz ein junges Publikum über das politische Geschehen in Deutschland aufklärt. Kompliziertes wird einfach erklärt, mit den Möglichkeiten von Social Media experimentiert und gezeigt, dass sich diese Plattformen auch dazu eignen, Geschichten zu erzählen und Wissen als Grundlage für eine fundierte Meinung zu vermitteln – ganz einfach: wunderbar und vielleicht wichtiger denn je. Continue reading »

Dez 202018
 
Nora Hespers und Rita Molzberger von "Was denkst du denn?" bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Nora Hespers und Rita Molzberger von “Was denkst du denn?” bei der Bekanntgabe der Nominierungen zum Grimme Online Award 2018. Foto: Rainer Keuenhof/Grimme-Institut

Wer gedacht hatte, Virtual-Reality-Anwendungen (VR) würden in diesem Jahr das große Thema im Wettbewerb – groß im Sinne von zahlreichen Einreichungen –, sah sich getäuscht. Stattdessen gab es zahlreiche Einreichungen im Podcasting-Bereich, ganz so, als ob die breite Thematisierung im Vorjahr ein Mehr an Vorschlägen produziert hätte. Näher an der Realität ist vermutlich: Im Verhältnis zu VR sind Podcasts einfach deutlich günstiger und niedrigschwelliger zu produzieren, das sorgt für Masse, einhergehend mit einem Boom im Audiobereich – die Sender haben Konkurrenz bekommen. Continue reading »

Jun 252018
 

Gastbeitrag von Christina-Bella Pagés

Mai Thi Nguyen-Kim jubelt im Publikum über ihren Preis für "maiLab". Foto: Georg Jorczyc/Grimme-Institut

Mai Thi Nguyen-Kim jubelt im Publikum über ihren Preis für “maiLab”. Foto: Georg Jorczyc/Grimme-Institut

“My heart is on fire, fire, fire…” sang Stefanie Heinzmann in ihrem Song “On Fire” zur Eröffnung des diesjährigen Grimme Online Award. Leidenschaftlich brennende Herzen – eine passende Beschreibung des Abends in der Kölner Flora. Denn: Überall war sie zu sehen, die Leidenschaft – für digitale Medien, großartige Ideen und für das Bestreben, das Bestmögliche im Netz hervorzubringen. Aus rund 1.000 Einreichungen und 28 Nominierten musste die Jury auch in diesem Jahr die acht besten Angebote in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial küren. Musste? Nun, dazu später mehr. Und das Publikum (im Netz) war aufgerufen, seinen Favoriten für den Publikumspreis zu wählen. Continue reading »

Mrz 262018
 

„Merkel hofft auf 12 Millionen Einwanderer“ oder „Asylbewerber bekommen den Führerschein zum Nulltarif“ –­ das sind absurde Schlagzeilen, Für viele Facebook-User scheinen sie aber plausibel zu sein, sodass diese Meldungen fleißig kommentiert, geliked und geshared wurden – bewusst manipulierte Artikel, die gezielt gestreut werden. Kontroverse Inhalte wie diese sorgen für Clicks und bedienen finanzielle oder politische Motive. „Fake News“ nennen wir diese Falschnachrichten, die eine inhaltliche Nähe aufweisen zu Hassreden im Netz, denn oftmals unterfüttern „Fake News“ diese inhaltlich.

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Jul 022017
 

Von Denise Gühnemann

“Herzlich willkommen an einem der schönsten Flecken der Stadt”, begrüßte Moderatorin Jeannine Michaelsen die mehr als 300 anwesenden Gäste zur Preisverleihung des Grimme Online Award. Nach Jahren der Abwesenheit und der Rückkehr im vergangenen Jahr war der #GOA17, so der Hashtag des Abends, wieder zu Gast in der Kölner Flora. Continue reading »

Mai 042017
 

Nüchtern ging es zu bei der Präsentation und Diskussion der diesjährigen Nominierten für den Grimme Online Award an der Universität zu Köln (UzK): 28 herausragende Angebote im Web, ausgewählt aus 1.200 Einreichungen. Es ging nüchtern zu oder vielleicht auch ernüchtert, was nicht unbedingt dem Ambiente zuzuschreiben war, dem neuen Seminargebäude 106 auf dem Uni-Campus der Domstadt.

Neues Seminargebäude der Uni zu Köln

Die Bekanntgabe der Nominierten fand im Neuen Seminargebäude der Uni zu Köln statt; Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Ernüchterung stellte sich auch mit Blick auf das Netz ein: Es hat gelitten, ist etwas “ramponiert”, wie die Nominierungskommission in ihrem Statement in diesem Jahr festgestellt hat. Vielen gilt es “als Fake-News-Schleuder, als Tummelplatz für Verschwörungstheoretiker und Extremisten, als Brutkasten einer postfaktischen Sicht auf die Welt. Social Bots manipulieren das Meinungsbild, Hassreden scheinen nahezu jeden Diskurs zu ersticken”, zitierte Moderator Christoph Sterz nochmal das Gremium in seiner Einleitung. Schnell wurde dieses düstere Bild jedoch von der Freude der Anwesenden über die Nominierung vertrieben. Unter ihnen finden sich 2017 auffallend viele bekannte Gesichter: willkommene Wiederholungstäter, die bereits Nominierungen verbuchen konnten oder sogar Jurypreise in der Vergangenheit abgeräumt hatten – interessanterweise auch beim Grimme-Preis 2017. Aber davon später mehr. Continue reading »

Aug 312016
 

youtube-creator-dayVieles ist gleich geblieben bei den VideoDays, interessant sind daher die kleinen Unterschiede zum Vorjahr: Erstmals wurde die “Academy” durch das YouTube-Community-Management organisiert, Showtag war am Freitag und Community-Day am Samstag – ein neues Konzept, früher war es umgekehrt. RTL 2 sorgte für Verfügbarkeit im Netz – Stream und On-Demand – und eröffnete zehn Musik-­Talenten im Rahmen des VideoVisionSongContest (#ViViSoCo) die Möglichkeit, ihr Können auf großer Bühne unter Beweis zu stellen, während viele große YouTuber fehlten. Und das Zuschauerinteresse ist nach Jahren des Wachstums zurück gegangen. Continue reading »

Aug 222016
 

…oder lieber doch? Von der Genese eines Newsgames bei ARTE

Gastbeitrag von Uwe Lothar Müller

WissenundBildung05_01_384x288Für Spielchen sind die Redakteure bei ARTE Reportage natürlich schon zu reif, doch der Senior und Chef, Philippe Brachet, wollte mal was Neues ausprobieren: Da gebe es doch diese Newsgames oder Serious Games im Internet, bei denen man ersthafte Themen spielerisch aufbereite, um mal ein anderes Publikum zu erreichen, die Jungen, die dauernd surfen und spielen. Da könnte man doch unsere Webdokumentation “Refugees” – vier Künstler besuchen Flüchtlingscamps in Nepal, im Irak, im Libanon und im Tschad – prima um ein fünftes Element bereichern. Und die Jungen für ein Thema interessieren, dass die, klassisch aufbereitet, nicht interessierte.  Skeptische Blicke: Ein Spiel mit Flüchtlingen? Bei ARTE? Continue reading »

Mai 082016
 
Gediegenes Ambiente bei der Bekanntgabe der Nominierten, Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof

Gediegenes Ambiente bei der Bekanntgabe der Nominierten, Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof

Hanseatisch gediegen ging es zu bei der Bekanntgabe der diesjährigen Nominierungen für den Grimme Online Award und erinnerte Brigitte Baetz, Moderatorin und Mitglied der Nominierungskommission sogleich an “Grünkohlessen in der Bremer Bürgerschaft”. Dabei fand sie im altehrwürdigen Senatssaal der Universität zu Köln statt, quasi dort, wo die Kölner Uni ganz bei sich ist – hohe Stuhllehnen, an den Wänden Portraits der ehemaligen Uni-Kanzler in Öl, die streng auf das Treiben vor sich blicken, ganz so, als ob sie fragten: “Ob sich dieses Internet durchsetzen wird?” Nun es hat sich durchgesetzt und mit ihm die 28 nominierten Angebote – gefiltert aus insgesamt 1.200 Einreichungen in diesem Jahr. Und fast alle Nominierten waren angereist. Manche sind auch nicht gekommen, einige blieben abwesend und waren doch präsent, aber davon später mehr.

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