Wer die Wahl hat …

Veröffentlicht von Vera Lisakowski am

rotes Kreuz in schwarzem Kreis auf grauem Hintergrund
rotes Kreuz in schwarzem Kreis auf grauem Hintergrund
Foto: Pixabay, Collage: Grimme-Institut

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland trat bei der Bundestagswahl im letzten September kein*e Amtsinhaber*in als Kanzlerkandidat*in an. Die Grünen hatten vorher einen ziemlichen Lauf, die SPD war ganz schwach – es war eine besondere Wahl mit viel medialer Vorbereitung, die sich auch in den Vorschlägen zum Grimme Online Award findet.

Erstwähler im Blick

Montage von Story-Elementen des Instagram-Kanals "News WG" des Bayerischen Rundfunks.
Montage von Story-Elementen des Instagram-Kanals “News WG” des Bayerischen Rundfunks.

Nach 16 Jahren Angela Merkel war insbesondere für die Erstwähler*innen der Wechsel im Bundeskanzleramt aufregend. Um so wichtiger, dass sie gut informiert in die Wahl gegangen sind. Die “News-WG” des Bayerischen Rundfunks hat junge Wähler*innen im wahrsten Sinne “Fit for Bundestag” gemacht. Mit einem Fakten-Fitnesstraining in der Sporthalle über die Steckbriefe der Kanzlerkandidat*innen, Wahlplakate, aber auch die Inhalte der Wahlprogramme. Zur Auflockerung gab es ein Kanzler*innen-Orakel als AR-Filter für die Nutzer*innen und auch der Wahltag wurde von der News-WG komplett begleitet.

Montage von Stills aus dem TikTok-Kanal "Du hast die Wahl" der Funke-Mediengruppe.
Montage aus dem TikTok-Kanal “Du hast die Wahl” von Funke.

Auch “Du hast die Wahl” der Funke Mediengruppe hat Jungwähler*innen fit für die Wahl gemacht. Auf TikTok erklärt Host Amelie, was der Bundestag ist, wie Meinungsumfragen funktionieren oder was man tun muss, um Abgeordnete*r zu werden. Sie hat aber auch die Landtagswahlen 2021 begleitet und Interviews mit allen Kanzlerkandidat*innen geführt – und selbst Armin Laschet hat bei “Du hast die Wahl” TikTok-Tauglichkeit bewiesen.

Screenshot der Website "Generation XX" des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.
Screenshot der Website “Generation XX” des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.

Auf einer eigenen Website aber mit der gleichen Zielgruppe kommt “Generation XX” des RedaktionsNetzwerk Deutschland daher. Hier haben junge Journalist*innen die Bundestagswahl aufbereitet und dabei vor allem auf die Stimmen der Jungwählerinnen und Jungwähler selbst gesetzt: Sie haben erzählt, warum sie wählen gehen, die Wahlwerbespots der Parteien bewertet und sie wurden für eine Umfrage befragt. Die Ergebnisse der Recherche werden in Texten, Videos, dem Podcast “Streitzone” und in vielen übersichtlichen Grafiken präsentiert.

Screenshot eines Videos der Politiker*innen-Interviews des "funk"-Kanals "Kreuzverhör".
Screenshot eines Videos der Politiker*innen-Interviews des “funk”-Kanals “Kreuzverhör”.

Dem Vorbild der Fernsehsender ist “funk” gefolgt und hat mit “Kreuzverhör – Deine Wahl” ganz klassische Politiker*innen-Interviews auf YouTube veröffentlicht, geführt von einem Journalist*innen-Duo. Die sieben Interviews kamen bei der Zielgruppe offenbar gut an – sie wurden oft gesehen und stark kommentiert.

Einfach zur Wahl

Screenshots von Stills aus dem Instagram-Angebot "Wahlmatch" des ARD Morgenmagazins (Montage).
Screenshots von Stills aus dem Instagram-Angebot “Wahl-Match” des ARD Morgenmagazins (Montage).

Das Morgenmagazin der ARD ließ Parteien beim “Wahl-Match” auf Instagram zum Dating antreten: Wie einst bei Herzblatt warben die Vertreter*innen von sechs Parteien um eine Wählerin oder einen Wähler. Dabei wurden Themenschwerpunkte, wie Pflege, soziale Gerechtigkeit oder junge Unternehmer gesetzt – und die Parteien, die für diese Themen stehen, natürlich besonders unter Druck gesetzt.

Screenshot "Bundestagswahl einfach erklärt".
Screenshot “Bundestagswahl einfach erklärt”.

Die barrierearm gestaltete Website “Bundestagswahl einfach erklärt” bietet Informationen zur Bundestagswahl in Einfacher Sprache. Die fünf Kapitel behandeln die Themen: Warum sollte ich wählen gehen? Was bestimme ich bei der Bundestagswahl? Was muss ich sonst noch wissen? Wie finde ich eine Partei, die zu mir passt? So wählt man! Alle Kapitel sind aufgebaut wie FAQs, so bleiben die Texte übersichtlich und konnten einen Beitrag dazu leisten, dass alle Menschen sich über die Bundestagswahl informieren konnten.

Mehr als Wahl

Screenshot des YouTube-Kanals "Die da oben" von "funk".
Screenshot des YouTube-Kanals “Die da oben” von “funk”.

Es gibt aber auch Angebote, die politische Berichterstattung über die Bundestagswahl hinaus machen. Bei “Die da oben”, ein “funk”-Angebot auf YouTube, schauen Jan Schipmann und Aline Abboud auf die Debatten im Bundestag und übersetzen Politik-Deutsch für ihre jungen Zuschauenden. Dabei wollen sie insbesondere zeigen, dass im Bundestag auch viele Themen behandelt werden, die für Jugendliche und junge Erwachsene relevant sind.

Screenshot des YouTube-Kanals von Marvin Neumann.
Screenshot des YouTube-Kanals von Marvin Neumann.

Ebenfalls auf YouTube ist Marvin Neumann unterwegs. Unter dem Motto “Politik – aber geil!” verfolgt er ein ähnliches Ziel wie “Die da oben”: Politik zugänglich machen für junge Zuschauende. Dabei hat er vor der Wahl die Wahlprogramme erläutert, kümmert sich in seinen etwa 15-minütigen Videos aber auch um Äußerungen einzelner Politiker und wichtige politische Entscheidungen und legt die Fakten dazu dar.

Screenshot des TikTok-Kanals "Nini erklärt Politik" (Montage).
Screenshot des TikTok-Kanals “Nini erklärt Politik” (Montage).

Auch auf “Nini erklärt Politik” werden politische Zusammenhänge dargelegt, allerdings in aller Kürze auf TikTok. Wie man Briefwahlunterlagen beantragt wurde hier erklärt, Wahlprogramme im TikTok-Style auseinandergenommen oder eine Führung durchs Regierungsviertel gemacht. Nach der Wahl hat Nini die Koalitionsverhandlungen begleitet und berichtet auch sonst über viele politische und gesellschaftliche Themen mit einem Schwerpunkt auf dem, was Jugendliche und junge Erwachsene am meisten interessiert.

Hintergründiges

Screenshot des Projektes "Die 49 - Hier sind wir" der "Zeit".
Screenshot des Projektes “Die 49 – Hier sind wir” der “Zeit”.

Für “Die 49 – Hier sind wir” hat die “Zeit” Deutschland vor der Bundestagswahl im Kleinen nachgebaut – um ein Stimmungsbild zu gesellschaftlich und politisch relevanten Themen einzufangen. Eine Gruppe von 49 Personen, die klein genug ist, damit sie auf einen Bildschirm der Videoplattform Zoom passt, aber groß genug, um die Facetten der deutschen Gesellschaft einzufangen. Eine Gruppe, in der statistisch alles ungefähr so war, wie in Deutschland insgesamt. Die Gruppe traf sich regelmäßig per Zoom, um sich über Themen auszutauschen, die sie beschäftigen. Die Inhalte der Gespräche, wie auch neue Themenimpulse, flossen in die Berichterstattung der “Zeit” ein.

Screenshot eines Teils der "#wahlfilter"-Recherche der Süddeutschen Zeitung.
Screenshot eines Teils der “#wahlfilter”-Recherche der Süddeutschen Zeitung.

Immer mehr Menschen informieren sich vor Wahlen über das Internet und insbesondere über Soziale Medien – doch hier entscheidet die Positionierung der Inhalte darüber, wie viele Menschen sie sehen. Und das folgt bei Facebook und Instagram einem eigenen, geheimnisvollen Algorithmus. Mit dem Datenanalyse-Projekt #wahlfilter versuchte die Süddeutsche Zeitung herauszufinden, ob Nutzer*innen nur die Inhalte des Ortsverbandes ihrer präferierten Partei angezeigt bekommen, oder einen Überblick über die Inhalte aller Parteien erhalten.

Screenshot der Webseite zum Podcast "Kanzlercast" des Bayerischen Rundfunks.
Screenshot der Webseite zum Podcast “Kanzlercast” des Bayerischen Rundfunks.

Ganz tief in die Politikgeschichte geht “Kanzlercast”, ein Podcast des Bayerischen Rundfunks über die acht Bundeskanzler vor Olaf Scholz. Logisch, dass es acht Folgen sind – mit vielen O-Tönen und umfassender Archivrecherche. Geschichtsstunden in Podcast-Form.        

Weitere Vorschläge

Wo dies alles ist, gibt es bestimmt noch mehr! Weitere Vorschläge zum Grimme Online Award sind noch bis einschließlich 1. März 2022 willkommen. Die Vorschlagsformulare gibt es hier.

   


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