Jan 262016
 

Die Nominierungen für den diesjährigen Grimme-Preis wurden bekannt gegeben!
Erstmalig konnten auch reine Online-Produktionen zum Grimme-Preis eingereicht werden, bisher wurde diese Möglichkeit allerdings wenig wahrgenommen. Bemerkenswert ist aber die Entwicklung, dass Sender Serien immer häufiger komplett online in der Mediathek zur Verfügung stellen, bevor diese im Fernsehen ausgestrahlt werden, so zum Beispiel der Fall bei der satirischen Sitcom Lerchenberg, nominiert in der Kategorie Fiktion. In anderen Fällen dient das Internet als Mittler: so hat Dokumentarfilmer Hubertus Koch seine 90-minütige Dokumentation “Syrien – ein schwarzes Loch” zuerst auf YouTube veröffentlicht, bevor der WDR darauf aufmerksam und daraus ein 30-minütiger Film wurde, der im Fernsehmagazin “Cosmo TV” zu sehen war.
Wie auch in den vorigen Jahren schauen wir uns aber die Fernseh-Nominierten mal genauer an: Welche Grimme-Preis-Nominierten, also welche Fernsehsendungen und -leistungen, sind auch im Internet mit überzeugenden Angeboten zu finden? Continue reading »

Jan 182016
 

Ein Gastbeitrag von Monika Gemmer.

Monika Gemmer

Monika Gemmer

Mitglied der “NomKom” – der Nominierungskommission zum Grimme Online Award! Damit bin ich ja quasi im GOA-Olymp angekommen! An uns sieben  muss alles vorbei, was ein/e Preisträger/in werden will! Bis zu 28 Perlen dürfen wir aus einem Meer von Vorschlägen fischen und ins Finale schicken, und auch wenn ich mich in den nächsten Wochen und Monaten wahrscheinlich noch oft nach der überschaubaren Jury-Arbeit zurücksehnen werde: Ich freue mich auf diese Aufgabe!

 

Zugegeben: Die beeindruckende Zahl von 1.400 Einreichungen aus dem vergangenen Jahr wirft Fragen auf. Werde ich noch genug Schlaf bekommen? Muss ich mich darauf einstellen, dass mein Leben in nächster Zeit nur noch aus Klicken und Begutachten besteht? Wird meine Familie mich in drei Monaten noch wiedererkennen? Und vor allem: Was ist da so an Bestechungsangeboten zu erwarten?

Damit ich nicht nur unbeschadet, sondern auch bereichert durch diese Zeit komme, hätte ich drei Wünsche für den Wettbewerb 2016:

Continue reading »

Dez 142015
 

VICE_Magazine_CoverMarch_highresVon Bastian Berbner

Seite zehn Jahren in Deutschland: Vice startete in der Nische, setzt auf provokante Aufmachung und ist mit seiner Auslandsberichterstattung längst im Mainstream angekommen.

1994 ist der Kanadier Shane Smith 25 Jahre alt, ein großmäuliger Punk, tätowiert und bärtig, ein Rebell, der noch nicht weiß, dass er zum Revolutionär taugt. Oder, wer weiß, bei seinem Ego, vielleicht weiß er es ganz genau.

Damals gründet er mit zwei Freunden im Rahmen eines Arbeitslosenprojekts das Magazin Voice of Montreal. Ein Punk-Fanzine, jung, wild, ein cooles Produkt für die Nische. Es liegt kostenlos in Galerien, Szenebars, Boutiquen und Plattenläden aus. Es geht darin viel um Sex und Drogen. Was die Jungs eben interessiert. Als sie kurz darauf das „o“ aus dem Namen Voice streichen, scheint das nur folgerichtig. Vice bedeutet auf Englisch „Laster“. Continue reading »

Nov 162015
 

MedienConcret-1-2015Das Erzählen ist Grundlage von allem: “Ohne ist nichts nicht, so scheint es”. Das Erzählen erschafft und transportiert Mythen, es konstruiert Identitäten und rahmt Existenzen. Daher begleitet es uns seit Menschengedenken, angefangen von der Höhlenmalerei, über die Bibel und später den Roman, bis hin zu den bewegten Bildern heutiger Tage und ins Digitale hinein. Galt lange mit Blick auf das Web, je kürzer desto besser und “wer scrollt verliert”, scheint sich jetzt der Trend umzukehren: Langformen etablieren sich unter dem Etikett Scrollytelling und das Erzählen wird zunehmend medienübergreifend(er). Kein Wunder also, dass das Erzählen schon mehrfach hier im Blog Thema war und wohl auch immer wieder sein wird, denn egal ob kurz oder lang: Es sind die Geschichten, die unser Interesse für Medien erst wecken und deren Inhalte Form und Gestaltung geben – jenseits der Oberflächen. Continue reading »

Okt 052015
 
Lisa Heinrici, Daniel Christensen, Ines Krug, Jan Pröhl in der Uraufführungsinszenierung "Ich habe nichts zu verbergen - Mein Leben mit Big Data" (UA) von Hermann Schmidt-Rahmer; Regie: Hermann Schmidt-Rahmer

V.l.n.r.: Lisa Heinrici, Daniel Christensen, Ines Krug, Jan Pröhl in der Uraufführungsinszenierung “Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data” (UA) von Hermann Schmidt-Rahmer.

Beklagte Grimme-Direktorin Dr. Frauke Gerlach mit Blick auf die diesjährigen Einreichungen für den Grimme Online Award noch: „Es fehlen die herausragenden Angebote zu aktuellen Themen wie beispielsweise der Überwachung.” So muss man fest stellen: Auf der Theaterbühne ist (Big Data und) die Überwachung als Thema angekommen – mal mehr, mal weniger herausragend umgesetzt: Vor kurzem durften wir noch das transmediale Event „Supernerds“ auf diversen Kanälen – auf der Bühne des Kölner Schauspiels, im Radio und TV sowie in diesem Internet (per Social Media #supernerds) – erleben, was dramaturgisch als eine mal mehr, mal weniger lahme Veranstaltung gewertet wurde und sich vielfach in eher effekthascherischen, technischen Spielereien erging und am Ende auf ein eher zähes Theatervergnügen hinaus lief. Nicht so das neues Projekt von Hermann Schmidt-Rahmer, das seit dem 3. Oktober im Essener Grillo-Theater läuft: „Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data“. Continue reading »

Sep 282015
 
Die Arbeit "Internet Cache" von Evan Roth. Foto: Vera Lisakowski

Die Arbeit “Internet Cache” von Evan Roth. Foto: Vera Lisakowski

Museen sind im Internet. Das ist ganz normal. Einige bieten sogar deutlich mehr, als den Standard-Auftritt, wie das Frankfurter Städel Museum, das für sein “Digitorial” zur Ausstellung “Monet und die Geburt des Impressionismus” in diesem Jahr den Grimme Online Award erhalten hat, das aber auch seine Sammlung im Internet veröffentlicht. Und umgekehrt? Das Internet ist im Museum angekommen, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist gerade die Schau “When we share more than ever” zu Ende gegangen, im Dortmunder U ist “Digitale Folklore” verlängert bis 1.11. 2015.

Aktuell widmet sich das Düsseldorfer NRW-Forum mit der Ausstellung “Ego Update” einem ganz besonderen Aspekt des Internets: dem Selfie.

Continue reading »

Sep 032015
 
Die Teilnehmer beim BRICks-Roundtable-Gespräch.

Die Teilnehmer beim BRICkS-Roundtable-Gespräch.

“Im Herbst hätte ich nie gedacht, dass wir ein so aktuelles Projekt haben”, eröffnet Aycha Riffi, Leiterin des EU-Projektes BRICkS mit Blick auf die derzeitige Flüchtlingsdebatte den Roundtable mit Social-Media-Managern, Journalisten und Profis aus dem Bereich der Medienbildung. Seit November 2014 läuft das Projekt mit Partnern aus Italien, Belgien, Tschechien und Spanien, das sich mit “Hate Speech”, Hasskommentaren im Internet, beschäftigt. In einer ersten Phase wurden beispielhafte Fälle, hauptsächlich auf eigenen Websites oder Facebook, recherchiert und Redaktionen befragt, wie sie mit Hasskommentaren umgehen. Continue reading »

Aug 202015
 
Das Panel zum Spielejournalismus beim "gamescom congress" 2015; Foto: Vera Lisakowski

Das Panel zum Spielejournalismus beim “gamescom congress” 2015; Foto: Vera Lisakowski

Das wäre genug Stoff für zwei Tage gewesen: Mit sechs “Dachthemen” trat der diesjährige “gamescom congress” an, die Spielemesse inhaltlich zu erweitern. Eines der in sieben Sessions aufgeteilten Dachthemen war “Kulturgut Games” – mit Museen, Bibliotheken, einer Ethik-Diskussion und einem Panel das sich mit der Zukunft des Spielejournalismus beschäftigte.

Continue reading »

Aug 172015
 
Gigantische Autogrammstunde: der Community-Day am 7.8. Bild: Gerstmann.

Gigantische Autogrammstunde: der Community-Day am 7.8. Bild: Gerstmann.

Zehn Jahre wird YouTube in diesem Jahr alt und die VideoDays, das größte YouTuber-Treffen Europas (Selbstbeschreibung), auch schon sechs. Gestartet als Rahmenprogramm der Computerspielemesse Gamescom mit 400 Teilnehmern, ist der Event mittlerweile in einer der größten Locations in Köln angekommen; in der Lanxess Arena. Die Vorjahresausgabe war hier ja bereits Thema.

Bemerkenswert war die Entwicklung hin zu einem Branchenevent – hinter den Kulissen –, zu dem sich die Branchengrößen ein abwechslungsreiches Stelldichein gaben, und einem massentauglichem Fantreffen „davor“. Das hat sich geändert, muss man in diesem Jahr feststellen, während der Massenzuspruch ungebremst scheint: Über 15.000 vorwiegend junge Menschen strömten am 7. und 8. August wieder nach Köln, um sich von gut und gerne 300 YouTubern (am 7.8.) Autogramme geben oder (am 8.8.) entertainen zu lassen.

Deutlicher denn je: Webvideo ist längst keine Nische mehr, selbst wenn die Mehrheit der YouTuber für die allermeisten (Erwachsenen) gänzlich unbekannt ist. Dabei will die „YouTube Global Audience Study“ herausgefunden haben, dass weltweit lediglich 15 % der Nutzer unter 18 Jahren alt sind, 37 % zwischen 18-34 Jahren ist und mehr als die Hälfte bereits 35 Jahre und älter. Nichtsdestotrotz ist Webvideo vielleicht das Jugendmedium zurzeit, für manche auch das „Leitmedium“ junger Menschen, wie die YOU-Studie meint. Das war in Köln zu spüren: „Kreischende Teenager am Rande des Nervenzusammenbruchs“ dominierten vielfach die Szenerie in der Lanxess Arena. Alles wie immer also? Continue reading »

Aug 112015
 
Friedrich Hagedorn (2. v.l.) mit Preisträgern und Juroren beim ersten Grimme Online Award 2001

Friedrich Hagedorn (2. v.l.) mit Preisträgern und Juroren beim ersten Grimme Online Award 2001

Der “Vater” des Grimme Online Award, Friedrich Hagedorn, verlässt das Grimme-Institut. Zum Abschied hat Joachim Türk für sein Blog “Ökonologie” mit ihm einen “Blick zurück nach vorn” geworfen. “Dass der Preis auch in Zukunft konzeptionell so offen ist, um dauerhaft auf die stürmische Entwicklung reagieren zu können, aber dass er trotzdem seinen Prinzipien treu bleibt: redaktionell unabhängig, publizistisch sauber, die inhaltliche Qualität im Auge behaltend – das ist der größte Wunsch von Friedrich Hagedorn”, heißt es im Beitrag.

Ja, Papa!