Mai 182015
 
Screenshot "Mamour, mon amour"

Screenshot “Mamour, mon amour”

Es begann als eine Affäre und endete vor dem Traualtar: “Mamour, mon amour” ist die Liebesgeschichte der Schweizerin Lena und des Senegalesen Mamour, der ohne Papiere in der Schweiz lebt. Dominik Galliker von der Berner Zeitung dokumentierte auf künstlerische Art die Hochzeit der beiden. Mit dieser Abschlussarbeit von der Journalistenschule ist er in der Kategorie Kultur und Unterhaltung für den Grimme Online Award 2015 nominiert. Im Interview erläutert Dominik Galliker die Hintergründe und gibt Einblicke in seine Arbeitsweise.

“Mamour, mon amour” beschreibt die Entwicklung der Beziehung von Lena und Mamour. Würden Sie dies als eine Liebesgeschichte oder mehr als eine Flüchtlingsgeschichte charakterisieren?

Mamour, mon amour” ist eher eine Liebesgeschichte. Sie beginnt mit dem Moment, als Mamour Lena zum ersten Mal fragt, ob sie ihn heiraten will. Das war zwei, drei Monate nach ihrem ersten Kuss. Und sie endet damit, dass Lena Ja sagt. Der Wandel von Lenas Ansichten steht im Zentrum.

Auf Grund der aktuellen Geschehnisse gibt es eine intensive Flüchtlingsdebatte in der Öffentlichkeit. Inwieweit ist ”Mamour, mon amour” Teil der Diskussion oder sehen Sie hier eine Abgrenzung?

Vielleicht ist Lenas Geschichte exemplarisch und hilft zu verstehen, warum jemand allen Bedenken zum Trotz einen “Sans-Papiers” heiratet. Relevanz stand für mich aber nie im Zentrum. Wir wollten in erster Linie eine spannende Geschichte erzählen. Mehr nicht.

Die Erzählung erfolgt mit Hilfe einer Kombination aus Audio-, Video- und Textsequenzen. Welche Bedeutung hat diese Gestaltung? Warum wählten Sie genau diese Art?

Die Geschichte besteht aus 161 Einzelfolien – fast wie eine Power Point Präsentation. Wir hoffen, dass diese Gestaltung der Geschichte einen Rhythmus gibt. Ehrlich gesagt: Wir haben das abgeschaut, bei Robin Sloans Tap-Essay “fish”. Die Gegenwart, also der Hochzeitstag, soll mit Video und Audio lebendig daherkommen. Den Erzählstrang der Vergangenheit haben wir so weit wie möglich reduziert: Text auf schwarzem Grund, manchmal hört man nur Lenas Stimme. Das soll Nähe schaffen.

Dominik Galliker & Daniel Barben vom Projekt "Mamour, mon amour"

Dominik Galliker (l.) und Daniel Barben vom Projekt “Mamour, mon amour”. Foto: Grimme-Institut / Jens Becker

Erzählen Sie bitte kurz von der Arbeitsweise des Projekts. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihren Partnern Enrique Muñoz García und Daniel Barben?

Das Team war ein Glücksfall. Enrique ist freier Fotograf, Dani arbeitet als Grafiker für die Berner Zeitung. Wir alle hatten kaum Erfahrung mit Multimedia-Reportagen. Diese Ausgangslage war perfekt: Wir haben mit einem leeren Blatt Papier begonnen. Und wir konnten uns so lange Zeit nehmen, wie wir wollten. Natürlich brauchten wir ewig lange, bis nur schon das Konzept beisammen war. Aber der Aufwand war uns allen egal. Das war quasi ein Projekt außer Konkurrenz. Nur Geld hatten wir keines.

Was bedeutet die Nominierung für den Grimme Online Award für Sie?

Während der Nominierungs-Veranstaltung habe ich nonstop gezittert. Es ist fantastisch! Als Journalistenschüler rechnet man nicht damit, zusammen mit Cordt Schnibben auf einer Liste aufzutauchen. Von daher ist es ein toller Erfolg.

Was erhoffen Sie sich von einem möglichen Gewinn des Grimme Online Award, in Hinblick auf die Zukunft für ”Mamour, mon amour” und andere potenzielle neue Projekte?

Um ehrlich zu sein: Ich hoffe, dass sich die eine oder andere Tür öffnet. Ich verlasse die Berner Zeitung im Sommer. Eigentlich gefällt es mir hier ausgezeichnet. Allerdings will ich in den Multimedia-Bereich und suche darum nach Praktika. Da kann es nicht schaden, so etwas im Lebenslauf stehen zu haben.

 

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