Feb 022018
 
Die drei Preisträger des Bert-Donnepp-Preises 2018: Dunja Hayali, Georg Seeßlen und Boris Rosenkranz (v.r.) mit Laudatoren und Mitgliedern des Vereins der Freunde des Adolf-Grimme-Preises. Foto: Grimme-Institut/Georg Jorczyk

Die drei Preisträger des Bert-Donnepp-Preises 2018: Dunja Hayali, Georg Seeßlen und Boris Rosenkranz (v.r.) mit Laudatoren und Mitgliedern des Vereins der Freunde des Adolf-Grimme-Preises. Foto: Grimme-Institut/Georg Jorczyk

Nanana, was für eine Wortwahl im ehrwürdigen Grimme-Institut – und was für eine Konstellation: Da beschwerte sich ein Laudator für den Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik darüber, dass er vom Preisträger schon mal kritisiert und als “dickhodig” bezeichnet wurde. Sonst aber schien David Schraven, Mitgründer des Recherche-Kollektivs Correctiv, sehr zufrieden mit dem Preisträger, den er da loben durfte: Neben dem Publizisten Georg Seeßlen wurde das vor zwei Jahren von Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz gegründete Portal “Übermedien” an diesem Abend mit einem Preis ausgezeichnet.

Schraven kommt in seiner Laudatio schnell auf den aktuellen Streit des Übermedien-Gründers Niggemeier mit dem Publizisten Matthias Matussek zu sprechen, der offenbar nicht so gut mit Kritik umgehen kann wie Schraven. Es sei wichtig, dass ein Medium wie “Übermedien” “Böcke kritisiert, die jemand schießt” und auch strukturelle Skandale aufbereite. Besonders beeindruckt zeigt sich Schraven von der beständigen Kritik an der Yellow-Press, die auf “Übermedien” stattfindet: “Das lesen unglaublich viele Menschen, die alle wählen dürfen”, stellt er sehr zum Amüsement des Publikums fest. Wichtig sei aber vor allem, dass man nicht nachlasse in der Kritik.

In seiner Replik auf die Laudatio weist Boris Rosenkranz noch einmal auf die besondere Konstellation hin: “Es kommt relativ selten vor, dass Leute, die wir auf Übermedien kritisiert haben, hinterher auf uns eine Laudatio halten”, merkt er an, “Journalisten sind ja empfindliche Wesen”. Viel mehr wundert er sich aber über etwas anderes: “Haben wir wirklich ‘dickhodig’ geschrieben?

Nach der Verwunderung folgt dann aber endlich die Freude über die Ehrung. Preise für Medienjournalismus seien seltener als in anderen journalistischen Bereichen, denn vielen Journalisten würden sie als Nestbeschmutzer gelten. Eigentlich sei es aber so, dass die Branche sich selbst in den Dreck ziehe, Übermedien sei ja nur der Überbringer der Nachricht. Den Lesern hingegen ist die Arbeit – anders als bei vielen anderen Netzmedien – Geld wert: “Übermedien” funktioniert als Abomodell, allerdings sehr moderat. Es ist ein großer Teil der Artikel auch ohne Bezahlung zu lesen, ältere sind komplett frei lesbar und das Abo ist recht günstig zu haben. Deshalb dankt Rosenkranz vor allem auch den Abonnenten, bei ihnen als “Übonnenten” bezeichnet, die die Arbeit finanzieren. “Hinter uns steht kein großes Medium, sondern die Leser”, sagt er, die genauso wie die Macher denken, “jetzt ist die Zeit für konstruktive Medienkritik”.

Apropos konstruktive Kritik – Rosenkranz kann es nicht lassen, selbst dem Auslober des Bert-Donnepp-Preises, den Freunden des Adolf-Grimme-Preises, noch einen kleinen Seitenhieb zu verpassen: Er freue sich besonders, dass der Preis mit 10.000 DM dotiert sei, wie er in der im Internet veröffentlichten Satzung gelesen habe.

Besondere Ehrung für Dunja Hayali

Die könne man ja in jeder Bundesbank-Filiale umtauschen, nimmt Steffen Grimberg vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises die Vorlage auf, um zur Preisträgerin der besonderen Ehrung überzuleiten, die nicht im ganz strengen Sinne medienpublizistisch tätig sei: Die besondere Ehrung beim Bert-Donnepp-Preis 2018 erhält Dunja Hayali, auf die Silke Burmester, Journalistin und Juryvorsitzende, die Laudatio hält.

Dunja Hayali erhielte die Auszeichnung für die Auseinandersetzung mit ihren im Netz allgegenwärtigen Kritikern, erklärt Burmester, und stellt die Frage: “Worin unterscheidet sie sich von vielen anderen Journalisten? Sie macht den Mund auf!” Sie sei Mensch, immer, auch als Journalistin und stelle sich den Anfeindungen.

Dies könne man aber niemandem, keinem Journalisten vorschreiben, entgegnet Dunja Hayali in ihrer Replik. Jeder solle für sich seinen Bereich finden, in dem er sich einmischt, ob online oder offline. In der Pflicht seien aber die Sender und Medienhäuser, denjenigen, die die Kommentarspalten moderieren, Betreuung zukommen zu lassen.

Den Preis empfinde sie als Bestätigung und vor allem als Aufforderung, weiterzumachen, so Hayali. “Ich persönlich finde das, was ich da mache, nicht so besonders”, erläutert sie, schränkt aber gleich darauf ein: “Es kostet Zeit. Man rennt mit dem Kopf vor die Wand. Und man zweifelt am Menschlichen im Menschen.”

“Warum mache ich das?” – stellt sie sich selbst die Frage, die ihr immer wieder gestellt wird. Ihre Antwort: “Uns Journalisten treibt das gleiche an. Es geht um die Meinungsfreiheit, um die Pressefreiheit, um die Demokratie. Ich habe keine Lust, denjenigen das Land zu überlassen, die anders lebende, anders liebende oder sonst wie andersartige aus diesem Land vertreiben möchten.”

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