Okt 172018
 

Text von Uta Winterhager

Bloggerin Cindy Grothe vor dem Köbogen

Bloggerin Cindy Grothe vor dem Kö-Bogen (Instagram)

Was gefällt, bekommt ein Herz, was alle sehen sollen, wird geteilt – je öfter, desto besser, desto erfolgreicher. Das ist das Prinzip sozialer Netzwerke. Und das Ziel der Investoren, die gerade den Düsseldorfer Kö-Bogen II mitentwickeln: Ihre Immobilie soll für die Social-Media-Community attraktiv sein. Dafür verwandeln sie das Dach in eine spektakuläre Liegewiese und planen die größte Grünfassade Europas. So wird das große Bauprojekt zum Setting, so kommt es aufs Bild und ins Netz. Ist das der Anfang deutscher Social-Media-Architektur?

Als der heiße Sommer 2018 noch frisch war, gab es ein Pressegespräch im Düsseldorfer Dreischeibenhaus. Dem zu Füßen liegt die gewaltige Baustelle des Kö-Bogens II. Als »bautechnisch einmalig – architektonisch spektakulär« stellten die Düsseldorfer Centrum- und die Hamburger B&L-Gruppe das Projekt vor. Der von Ingenhoven Architects geplante Bau solle der »Höhepunkt in Düsseldorfs neuer Mitte« werden.

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Feb 212018
 

“Konvergenz” – alle reden immer irgendwie davon, wir arbeiten damit: Beim Grimme-Preis dürfen inzwischen auch Produktionen teilnehmen, die gar nicht im linearen Fernsehen ausgestrahlt werden, sondern im Internet laufen. Klar, dass wir vom Grimme Online Award da auch mal einen Blick drauf werfen. Hier stellen wir ein paar beim Grimme-Preis nominierte Produktionen mit Webbezug vor:

Screenshot "DIY"

Hazel Brugger und Katja Kipping kreieren Freakshakes / Screenshot “DIY”

DIY mit Hazel Brugger
Nominiert in der Kategorie Unterhaltung, ist „DIY“ eine Produktion der heute-show des ZDF, die auf YouTube läuft und bei der die Kabarettistin Hazel Brugger mit Politikern Interviews führt, während sie mit ihnen bastelt. Hazel Brugger stellt den Politikern auf trockene und scheinbar emotionslose Art Fragen, die teilweise zu irritierten Blicken und ungewöhnlichen Antworten bei ihren Interviewpartnern führen. Man hat hier manchmal das Gefühl, dass ihnen in diesen Momenten gar nicht bewusst ist, wie viel sie mit ihren Antworten eigentlich von sich und ihren Überzeugungen preisgeben. Man könnte hier auch von einem Überraschungsakt durch absurde Fragentechnik sprechen. Hazel Brugger ist sich aber auch selbst nicht zu schade, mit ihren Bemerkungen zu polarisieren.
Dass sich die Politiker nebenbei noch mit dem Basteln von veganen Mettigeln, Freakshakes und Musikinstrumenten beschäftigen, ist überaus unterhaltend. Continue reading »

Aug 282017
 

Begrüßt einen am Eingang zur Ausstellung: Der dicke italienische Klempner; Foto: Britta Stapelbroek

Flache Geschichten? Eindimensionale Charaktere? Sinnlose Daddelei? Wer das heute noch über Computerspiele denkt, hat wahrscheinlich nie etwas Komplexeres gespielt als Solitär oder das Moorhuhn. Spiele können Geschichten erzählen und Inhalte vermitteln, auch deshalb gibt es immer wieder publizistische Spiele im Wettbewerb um den Grimme Online Award. 

Parallel zum Start der Gamescom eröffnete das Museum für Angewandte Kunst Köln die Ausstellung “Im Spielrausch – Von Königinnen, Pixelmonstern und Drachentötern”. Sechs thematisch unterschiedliche “Level” beleuchten darin die verschiedenen Aspekte des Kultur-Phänomens Spiel und fassen den Begriff dabei überraschend weit, betrachtet wird neben dem klassischen Brettspiel und der moderneren Form, dem Computerspiel, nämlich auch das Theater als Spielstätte. Ein Kaspertheater zu Beginn und ein Videospiel am Ende bilden den interaktiven Rahmen der kleinen, aber sehr kompakten Ausstellung, die das MAKK in einem Kooperationsprojekt zusammen mit dem Institut für Medienkultur und Theater sowie der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln umgesetzt hat und deren Konzeption vom Grimme-Forschungskolleg mitfinanziert wurde. Darüber hinaus geht es in den Räumen wenig verspielt zu, vielmehr illustrieren zahlreiche Exponate die verschiedenen Prozesse, die in ihrer Gesamtheit das Phänomen “Spiel” ausmachen. Videogames werden mit Screenshots einzelner Szenen oder als kurze Videosequenzen eingebunden, daneben hängen oder stehen Masken, Puppen, Skizzen von Theaterkulissen, Spielbretter, Bücher und vieles mehr.

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Mrz 152017
 

Ein Gastbeitrag von Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler und Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Grimme Online Award ist ein “Qualitätspreis für Online-Publizistik”. So steht es im Statut, und zwar gleich im ersten Satz. Die ausgezeichneten Angebote sollen, so heißt es etwas später, “eine beispielhafte Orientierung für publizistische Qualität im Netz” geben. Das Wort “publizistisch” steht also im Mittelpunkt des Preises. Doch was bedeutet es genau?

Jury 2012 mit Christoph Neuberger (3. v. l).; Foto: Grimme-Institut

Jury 2012 mit Christoph Neuberger (3. v. l.); Foto: Grimme-Institut

Zunächst einmal ist mit “Publizistik” all das gemeint, was zum Angebot der Massenmedien zählt, was sich also an ein großes Publikum richtet und für möglichst viele relevant sein soll. Dabei geht es ausschließlich um redaktionell gestaltete Inhalte – also nicht um reine Serviceinformationen, etwa Tabellen, Listen oder Datenbanken. Diese gestalteten Angebote lassen sich den publizistischen Sparten Information, Beratung, Bildung, Kultur und Unterhaltung zuordnen. In diesen Kategorien verleiht auch die Grimme-Jury ihre Preise. Wichtig ist auch: Publizistische Leistungen werden unabhängig erbracht. Redaktionen sollten sich also nicht von fremden Einflüssen bestimmen lassen. Das unterscheidet sie von anderen Kommunikationsformen, die einem bestimmten Interesse oder Auftraggeber verpflichtet sind. Letztere gehören zum Bereich der Werbung und der Public Relations, der vom Preis ausgeschlossen ist. Continue reading »

Mrz 012017
 

“Ich könnt noch tausend Liter tanken, bin noch immer nicht am Ziel …”, tönt es aus dem Radio und zu diesen Zeilen steigt Tankstellen-Träumer Friedrich Liechtenstein zu uns in den goldenen Benz. Wir machen es uns in den Ledersitzen bequem. Eskortiert von zwei Motorradrockern beginnt nun ein kleiner Road-Trip durch Berlin, den wir dank Virtual-Reality-Brille fast wie in echt erleben. Unterwegs schauen wir nach rechts und links und sehen tanzende Einhörner oder Passanten, die sich plötzlich zu einem Chor formatieren und mitsingen, zwischendurch regnet es goldenes Konfetti.

Screenshot 360°-Video "1.000 Liter" von Friedrich Liechtenstein

Friedrich Liechtenstein nimmt uns mit auf einen kleinen Road-Trip durch Berlin / Screenshot 360°-Musikvideo “1.000 Liter”

Mit seiner zehnteiligen Doku-Reihe “Tankstellen des Glücks“, die auf Arte zu sehen war, ist Liechtenstein in diesem Jahr für den Grimme-Preis nominiert. Angereichert wird die TV-Produktion von dem 360°-Musikvideo zum Titellied “1.000 Liter“ und findet so auch seinen Weg ins Internet. Dort ist es über die Arte360-App und auf Arte Creative abrufbar.

Derartige Spielereien mögen wir vom Grimme Online Award natürlich sehr, wollen wir doch einmal schauen, welche Nominierten des 53. Grimme-Preises noch mit spannenden Angeboten zu ihren Werken im Internet vertreten sind.

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Nov 022016
 
Szene von der "Next Level" 2015, Foto: NRWKS / Robin Junicke

Szene von der “Next Level” 2015, Foto: NRWKS / Robin Junicke

Morgen startet das “Next Level Festival for Games” im Düsseldorfer NRW-Forum. Am Samstag bietet das Grimme-Institut in Kooperation mit dem Spieleratgeber NRW einen Veranstaltungsstrang an, der sich mit der kulturellen Bedeutung digitaler Spiele beschäftigt, bei dem Uwe Lothar Müller von ARTE über seine Erfahrungen mit dem Newsgame “Refugees – 4 Monate, 4 Camps” berichtet und der die Bildungspotenziale kommerzieller Spiele auslotet.

Für die Preispublikation zum Grimme Online Award 2016, die sich inhaltlich mit dem Thema “Games” befasste, haben wir mit Dr. Christian Esch vom NRW KULTURsekretariat, dem Veranstalter der “Next Level” auch über die kulturelle Bedeutung von Computerspielen gesprochen.

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Nov 012016
 
Eine Jurte weist schon vor der Bonner Bundeskunsthalle auf die Ausstellung "Touchdown" hin. (Wer's nicht kapiert: Jurte - Mongolei - Mongolismus, eine früher gängige Bezeichnung für das Down-Syndrom.) Foto: Vera Lisakowski

Eine Jurte weist schon vor der Bonner Bundeskunsthalle auf die Ausstellung “Touchdown” hin. (Wer’s nicht kapiert: Jurte – Mongolei – Mongolismus, eine früher gängige Bezeichnung für das Down-Syndrom.) Foto: Vera Lisakowski

“Ich habe eine Regel: Ich bin mit niemandem auf Facebook befreundet, mit dem ich nicht mindestens einen Kaffee getrunken habe”, erzählt die Humanbiologin Katja de Bragança. Aber was hat das mit der Ausstellung “Touchdown” zu tun, die in der Bundeskunsthalle Bonn noch bis zum 12. März 2017 läuft? Henriette Pleiger, die als Ausstellungsleiterin an der Bundeskunsthalle arbeitet, war eine Facebook-Bekanntschaft. Und so trafen sich die beiden auf einen Kaffee. Man kam ins Erzählen, unter anderem über das Forschungsprojekt “Touchdown21” zum Down-Syndrom, das Katja de Bragança leitet. Ein spannendes Projekt, zu dem es auch eine Ausstellung geben sollte, fand Henriette Pleiger. Und dann? “Wir haben uns Mühe gegeben, so schnell zu forschen, wie die Ausstellung in Schwung kam”, bekennt Katja de Bragança.

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Mrz 242016
 

Oldtimer vor Gebäude mit Säulen. Foto: Vera LisakowskiBarack Obama ist wieder weg aus Kuba – und jetzt soll vieles besser werden. Unter anderem die Sache mit dem Internet. Das steht bislang nämlich nur wenigen Kubanern zur Verfügung. Nur einer der vielen Staaten weltweit, in dem der Zugang zum Internet für die Bevölkerung eingeschränkt ist. Wir haben uns in zweien umgesehen: Im Iran und auf Kuba.

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