Mai 212019
 
Screenshot: "Pille Palle"

Screenshot: “Pille Palle”

Die Antibabypille – viele Frauen nehmen sie und doch sind sie oft unsicher über die Risiken. Pille Palle verknüpft (pharma-)unabhängige Wissensvermittlung mit informativen und experimentellen multimedialen Kurzfilmen. Anwenderinnen und ExpertInnen beleuchten Pro und Kontra der Pille. Frauen sollen sich so selbstbestimmt eine Meinung über die Pille bilden können. Über Instagram können Interessierte das Projekt kommentieren.

Pille Palle ist ein Projekt von Kathrin Ahäuser, die im Bereich Fotografie und Film arbeitet. Es entstand im Rahmen ihrer Masterarbeit im Studiengang Photographic Studies an der FH Dortmund. Das Projekt ist für den Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung nominiert. Im Interview spricht Kathrin Ahäuser über ihr Projekt und Reaktionen, die es hervorgerufen hat.

Pille Palle bedeutet laut Duden: Kleinkram, Unwichtiges, Gleichgültiges. Das Thema des Projekts ist alles andere als unwichtig. Wie kam es zum Namen „Pille Palle“?
Ich habe lange überlegt, die Arbeit auch „Bedeutungsschwanger“ zu nennen, weil ich gerne mit Worten spiele und es mir wichtig ist, dass man sich ein Projekt anhand des Titels merken und leicht einprägen kann. „Pille Palle“ weist dabei auch eine Doppeldeutigkeit auf, weil es auch für „mir egal“ oder „spielt keine Rolle“ steht. Die Einnahme der Pille ist aber alles andere als egal und es ist wichtig, selbstbestimmt eine Meinung über die Einnahme zu treffen.

In einem meiner Filme spreche ich mit einer Sexualpädagogin von pro familia. Sie sagt, dass es in den 20er Jahren viermal mehr Beratungsstellen gab als heute. Damit betont sie einfach, dass Sexualität und Aufklärung nicht nur etwas Naturgegebenes ist, sondern stark von der Gesellschaft, in der wir leben, geprägt ist. Ich wünsche mir, dass Frauen nicht allein aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern von ihrem Recht auf Aufklärung Gebrauch machen.

Screenshot: "Pille Palle"

Screenshot: “Pille Palle”

Wie kam es zur Auswahl dieser zwölf ProtagonistInnen?
Ich wollte sowohl Meinungen einfangen, die gute Erfahrungen mit der Pille widerspiegeln, als auch negative. Ich wollte sowohl Pillenanwenderinnen befragen als auch Personen, die beruflich mit der Pille zu tun haben. Daher habe ich versucht, querbeet in alle Richtungen das Thema aufzugreifen. Negative und positive Wirkungen der Pille und die Aufklärung über die Auswirkungen des Präparates in Deutschland waren dabei die Hauptaspekte. In meinen Videos kommen sowohl Männer als auch Frauen vor, weil die Pille jeden betrifft: In erster Linie natürlich Frauen, aber es handelt sich hierbei ja um ein gesellschaftliches Thema.

Wie waren die Resonanzen auf dein Projekt?
Frauen haben mir gesagt, dass sie die Pille über viele Jahre genommen haben, ohne zu wissen, was die Nebenwirkungen sein können. Das zeigt, dass immer noch ein Mangel an Aufklärung und an Wissen über die Pille besteht. Viele sind dankbar, dass die Diskussion angestoßen bzw. weitergeführt wird und verschiedene Meinungen auf Pille Palle dargestellt werden, damit man sich informieren kann. Wichtig ist dennoch – und darauf weise ich auch in meinen Filmen hin –, dass man Informationen kritisch hinterfragt; denn nicht alles, was an Informationen ausgehändigt wird, sowohl von ÄrztInnen als auch von anderen Leuten im Internet, ist unabhängig. Vieles ist interessengesteuert oder pharmafinanziert. Ich nehme die Entscheidung daher keinem ab, aber Pille Palle ist eine Plattform, um einen Einstieg in das Thema zu finden.

Kathrin Ahäuser, Gründerin des Projektes Pille Palle, bei der Nominierung zum Grimme Online Award 2019 Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-InstitutPille Palle

Kathrin Ahäuser bei der Bekanntgabe der Nominierten für den Grimme Online Award 2019. Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut

Ein weiterer Punkt, auf den ich während meiner Recherche aufmerksam geworden bin, ist die Entwicklung des Verpackungsdesigns. Die ersten Verpackungen sahen noch recht nüchtern aus. Viele sind heute aber pink mit Blümchen oder haben Frauengesichter mit langen lila Haaren. Diese Verpackungen würden sehr gut in eine Kosmetikabteilung passen. Man denkt also nicht direkt daran, dass da ein hormonell wirksames Arzneimittel drinsteckt. Durch die Aufmachung wird verschleiert, worum es eigentlich geht und dass wir von einem Medikament sprechen.

Gab es eine Reaktion vonseiten der Pharmahersteller?
Bisher gibt es noch keine Resonanzen. Die Plattform ist aber ja noch relativ jung, sie wurde dieses Jahr erst online geschaltet. Ich bin aber sehr gespannt, was da noch auf mich zukommt.

 

 

Das Interview führte Alexandra Kunde. 

Die Interviews entstanden in medienpraktischen Übungen und Seminaren im Bachelor-Studiengang Online-Redakteur an der TH Köln.

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