Mai 052016
 
Liveauftritt auf dem Podstock; Foto: Puerto Patida

Liveauftritt auf dem Podstock; Foto: Puerto Patida

Das Hörspiel “Puerto Patida” ist ein Podcast-Rollenspiel mit Rätselspaß zum Mitmachen. Die Handlung des Rollenspiels findet auf der fiktiven Insel Puerto Patida statt. Neue Mitspieler versuchen, Bürger der Insel zu werden, dazu müssen sie drei Rätsel lösen. Denn alle Bewohner der Insel die keine Bürger sind, laufen Gefahr, vom französischen Gourmet-Kannibalen Jacques Gusto verspeist zu werden. Die neuen Mitspieler des Rollenspiels werden ausgelost. Der Podcast ist in der Kategorie Kultur und Unterhaltung für den Grimme Online Award 2016 nominiert. Johannes Wolf, der Gründer, Spielleiter und Sprecher von “Puerto Patida” erläutert in diesem Interview, wie die Arbeiten an einer Folge aussehen und was die Nominierung für das Team bedeutet.

Wie ist das Projekt “Puerto Patida entstanden?

Aus einem anderen Podcast heraus und zwar aus der “Esel und Teddy Show”. Stefan Proksch, einer der Betreiber, meinte zu mir: “Wir hätten gerne mal so eine Art Point-and-Click Adventure in unserem Podcast. Mit einer kleinen Geschichte. Und das passt doch super zu dir. Mach das mal.” Daraufhin ist der erste Entwurf entstanden, allerdings noch nicht so, wie “Puerto Patida” jetzt aussieht. Nach einer Weile habe ich mich entschlossen, das Ganze als eigenständigen Podcast aufzuziehen und habe mit einer modularen Geschichte begonnen. Das heißt, es gibt drei Rätsel, die der Kandidat oder die Kandidatin lösen muss, um das Finalrätsel zu erreichen. Und da wir mittlerweile drei Autoren haben, kann die Geschichte noch komplexer werden. Es gibt jetzt mehr Auswahlmöglichkeiten, weil jeder Autor für seine Folge sechs Wochen Zeit hat. Der Humor ist an Adventures wie Monkey Island angelehnt.

Bringen Sie uns bitte Ihre Arbeitsweise näher. Wie sieht die tägliche Arbeit in Ihrem Team aus?

Episodencover; Foto: Puerto Patida

Episodencover; Foto: Puerto Patida

Im Grunde genommen sieht der ganz grobe Ablaufplan wie folgt aus: Wir haben eine Übersicht, was in jeder Folge passieren soll und befinden uns mittlerweile in der zweiten Staffel. Der Autor schreibt die Story, also die Dialoge für die einzelnen Rollen, und macht dazu einige Anmerkungen, zum Beispiel wie die Grafik dazu aussehen soll. Die Anmerkungen gehen an die Zeichnerin, die idealerweise zwei Wochen Zeit hat, um die Grafik zu erstellen. Dann gehen die Texte, die eingesprochen werden müssen, an die jeweiligen ehemaligen Spieler und Spielerinnen und an den Reiseführertextsprecher. Das heißt, es arbeiten drei bis vier Leute daran, die Texte einzusprechen. Ich schneide das dann teilweise zu und passe alles an das Soundboard an. Davor gibt es noch eine Probe mit dem Autor, ob das so funktioniert, wie er sich das vorgestellt hat. Dann kommt die Live-Aufzeichnung. Ich versuche das relativ alleine zu managen mit dem Skript und dem Soundboard und dann wird das Ganze aufgenommen. Im Idealfall sollte kein weiterer Schnitt erfolgen.
Danach beginnt der Veröffentlichungsprozess. Es müssen also die Grafiken erstellt und der Blogbeitrag geschrieben werden. Pro Episode werden drei Grafiken gebraucht: das Cover, die Qualifikationsfrage und der Header für den Blog. Dann wird die Datei mit Metainformationen bestückt, hochgeladen und im Blog verlinkt. Das dauert ungefähr zwei Stunden. Und was auch nicht vergessen werden darf ist die Interaktion mit den Hörern. Nach der Veröffentlichung gibt es Feedback und daraus ziehen wir hauptsächlich unsere Energie.

Wie sind Sie auf den Namen “Puerto Patida” gekommen? Hat er eine Bedeutung?

Das Ganze ist Esperanto. “Puerto” heißt Insel und “Patida” würde ich mit Rätsel oder Spiel übersetzen. Es müsste allerdings mit einem R geschrieben werden. Wir nehmen die Hauptbegriffe und übersetzen sie in Esperanto. Teilweise wird dazu auch unser Publikum befragt, so heißt die Gaststätte “La Grinca Pordo”, zu Deutsch: “zur quietschenden Tür”. Dann gucken wir, welche Begriffe nicht gut aussprechbar sind und streichen auch mal einen Buchstaben aus. Es ist ja sowieso unsere Fantasiegeschichte.

Warum genau haben Sie sich für das Medium des Podcasts entschieden?

Charaktere, die Johannes spricht; Foto: Puerto Patida

Charaktere, die Johannes spricht; Foto: Puerto Patida

Für das Medium Podcast ist es relativ neu eine Spielshow zu etablieren und daher besonders reizvoll. Mittlerweile sind es elf Rollen, die ich auf “Puerto Patida” spreche und ich bin auch schon fast ein bisschen an der Grenze. Es wären zwar noch ein paar mehr Stimmen möglich, aber sie spontan abrufbereit zu haben ist die Schwierigkeit. Für eine Radiosendung ist das zeitlich schlecht planbar. Aber grundsätzlich ist die Arbeit mit dem Medium Podcast sehr dankbar, da durch die fehlende Bildinformation die verschiedenen gesprochenen Charaktere besser wirken und die Fantasie der Hörer angeregt wird. Unser interaktiver Podcast ist flexibler als zum Beispiel ein Printartikel. Je nachdem in welche Rolle ich schlüpfe kann ich auch anders auf den Kandidaten eingehen und je nachdem wie der Kandidat tickt ticke auch ich anders.

Wie finden Sie geeignete Mitspieler?

Wir losen den Kandidaten tatsächlich, unter allen die mitmachen, aus. Da gibt es im Nachhinein auch Kandidaten, bei denen man sagen muss, dass sie eigentlich im Spiel hätten sterben müssen. Aber sie haben es dann doch irgendwie geschafft. Das sei ihnen auch gegönnt, denn dann bleiben sie auf der Insel und sprechen später Sachen ein. Ich glaube, dass sich momentan tatsächlich nur Leute bewerben, die sprechen können oder sich zumindest zutrauen, mitzuspielen. Wir haben mittlerweile aus der Erfahrung heraus eine kleine Testszene am Anfang, bevor die eigentliche Show anfängt. Tatsächlich skype, oder spreche ich mit den Personen aber erst am Aufnahmetag – wir casten sie nicht im Vorfeld. Das macht die ganze Sache sehr spannend.

Was bedeutet Ihnen die Nominierung für den Grimme Online Award 2016?

Johannes Wolf bei der Nominierung für den Grimme Online Award 2016. Foto: Grimme-Institut / Rainer Keuenhof

Johannes Wolf bei der Nominierung für den Grimme Online Award 2016. Foto: Grimme-Institut / Rainer Keuenhof

Wir sind unglaublich glücklich darüber. Es gab unserem Team noch einen zusätzlichen Motivationsschub, würde ich sagen. Ich glaube, dass es auch den Bereich Podcasting weiterbringen kann. Ich bin unter anderem im Podcast-Verein NRW tätig und freue mich, dass hierdurch eben auch das Medium Podcast ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommt. Außerdem denke ich, dass wir irgendwann an die Grenzen unserer Kandidaten kommen werden und dank der Nominierung bekommt unser Projekt vielleicht mehr Zuhörer. Und das ist ein super Gefühl. Insbesondere die Community freut sich mit, denn in gewisser Weise ist es auch ihr Projekt.

Autorinnen: Mila Evers, Pascalina Murrone

Die Interviews mit den Nominierten und die Videos sind im Rahmen eines Medienpraxis-Seminars an der Universität zu Köln entstanden.

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